Depression
Shownotes
Das Selbsthilfe-Büro Kreis Höxter ist zu erreichen unter (0 52 71) 694 10 45, selbsthilfe-hoexter@paritaet-nrw.org, Möllingerstr.5 , 37671 Höxter Kontakt: Martina Mertens - Reiki Balance Höxter – reiki.balance.hx.22@gmail.com
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00:00:04: Selbsthilfe hat Stimme, der Podcast, unterstützt von der AOK Nordwest.
00:00:11: Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe dieses Podcasts in dieser Folge.
00:00:16: Beschäftigen wir uns mit einem Thema, das immer mehr Menschen in Deutschland betrifft, aber nur die wenigsten.
00:00:23: Trauen sich, offen darüber zu sprechen.
00:00:25: Depression.
00:00:27: Wir möchten ganz einfühsam erklären, wie sich eine Depression anfühlen kann und welche Rolle Selbsthilfegruppen spielen, denn die können in bestimmten Phasen tatsächlich eine sehr hilfreche Unterstützung sein.
00:00:38: Ich starte aber erst einmal mit einer Zahl zur Einordnung.
00:00:41: Aktuelle bundesweite Erhebungen zeigen, dass depressive Symptome in den letzten Jahren zugenommen haben.
00:00:46: In den letzten Jahren hat der AOK-Gesundheitsatlas beispielsweise aufgedeckt, dass ca.
00:00:52: neun Komma fünf Millionen Menschen von Depressionen betroffen sind.
00:00:56: Das sind etwa zwölf Komma fünf Prozent der Bevölkerung ab zehn Jahren.
00:01:01: Ein Jahr später wurden in den Abrechnungsdaten knapp siebzehn Prozent der Erwachsenen in der ambulanten Versorgung mit einer Depression diagnostiziert.
00:01:10: Und die Dunkelziffer, die ist weitaus höher.
00:01:13: Ich habe mir heute eine Gesprächspartnerin eingeladen, die ihre Erfahrungen mit Depressionen mit uns teilt und regelmäßig an einer Selbsthilfegruppe in Höchster teilnimmt.
00:01:23: Herzlich willkommen, Martina Merdens.
00:01:25: Schön, dass du da bist.
00:01:27: Ja, hallo, danke für die Einladung.
00:01:29: Ich würde sagen, vorweg lass uns doch mal kurz beleuchten, ja, Depressionen.
00:01:36: Was versteht man eigentlich darunter?
00:01:39: Also kurz und knapp gesagt ist eine Depression eine wirklich ernstzunehmende psychische Erkrankung und damit nicht nur Lustlosigkeit oder bloße Traurigkeit, solche Vorurteile oder Missverständnisse gibt es ja heute leider immer noch.
00:01:54: Nein, Depression verändert Denken, Fühlen und Körperempfinden und kann sich unter anderem auch so zeigen.
00:02:00: anhaltende Niedergeschlagenheit, Energieverlust, Rückzug, Interessenverlust, Schlaf- und Appetitstörungen.
00:02:07: Manche Betroffene leiden an Konzentrationsproblemen, Schuld- oder Wertlosigkeitsgefühle steigen oder auch körperliche Schmerzen ohne klare Ursache.
00:02:18: Wichtig ist auch zu sagen, dass Depressionen sehr unterschiedlich auftreten kann.
00:02:22: Manche Menschen wirken nach außen total funktional, leiden aber innerlich stark und andere hingegen sind deutlich eingeschränkt.
00:02:29: Martina, erzähl uns doch erst mal, wann hast du denn gemerkt, dass etwas, ich sag mal in Anführungsstrichen, nicht stimmt?
00:02:38: Ja, das ist der richtige Ausdruck, würde ich sagen.
00:02:41: Denn es war bei mir so, dass ich in dem Jahr das erste Mal den Verdacht hatte, dass da was nicht in Ordnung ist, konnte es dann halt nicht definieren, bin in verschiedenen Kliniken gewesen.
00:02:56: die dann letztendlich die Diagnose gestellt haben, leichte bis mittels schwere Depressionen.
00:03:03: Damals habe ich noch gearbeitet, es wurde dann gekündigt.
00:03:08: Es kamen viele unterschiedliche Komponenten dazu, die letztendlich dazu geführt haben, dass ich sehr, sehr depressiv geworden bin.
00:03:18: Also man sagt, schwerst depressiv, das Ganze.
00:03:23: mündete dann in wochenlanger stationäre Aufnahmen in unterschiedlichen Orten oder Einrichtungen.
00:03:32: Mittlerweile kann ich sagen, von der schweren Depression ging es dann über in Bipolarität, was nochmal signifikant eigentlich eine Verschlechterung ist.
00:03:45: Heißt so viel, dass Bipolar natürlich manisch depressiv ist.
00:03:52: Ich bin dann halt in mehr als Euphorie übergegangen.
00:03:57: Und man konnte mich auch sehr schlecht einstufen als Fremddiagnose.
00:04:04: Ich selber habe es vielleicht auch nicht wahrhaben wollen, musste mich dann erst mal damit auseinandersetzen, was es heißt.
00:04:14: Und ich war tatsächlich bewegungsunfähig.
00:04:17: Ich habe mehrere Jahre mehr oder weniger ... geheust, gelebt, konnte nichts machen, war nicht aktiv, bis man mir dann auf meinem Weg geholfen hat, Unterstützung bekommen habe ich durch verschiedene Institute.
00:04:35: Ganz viel natürlich durch mein Umfeld, wie Betreuer, Freunde, die mich unterstützt haben und ja.
00:04:45: Ich würde gerne noch mal ins Jahr Anhaltspunkte, was waren so Symptome, die sich da gezeigt haben?
00:04:53: Symptome war eigentlich Lustlosigkeit.
00:04:56: Ich habe mich zurückgezogen.
00:04:58: Ich bin MTA, habe zu dem Zeitpunkt natürlich noch gearbeitet und habe aber auch gemerkt, dass MTA mit drei Schichtsystemen und teilweise fünfzig bis sechszig Stunden die Woche arbeiten.
00:05:13: Ja, dazu letztendlich geführt hat, dass einfach dieses Maß die Flasche voll war und das übegeschwappt.
00:05:21: Symptome waren dann halt selbstvertrauen grad null.
00:05:27: Die erste Diagnose war ja leicht bis mittelschwere Depression.
00:05:31: Was hat das mit dir gemacht?
00:05:33: dass so auf dem Zettel stehen zu haben.
00:05:36: Das
00:05:36: war total schwierig.
00:05:38: Ich wollte es erst nicht wahrhaben, so auch nach dem Motto, Mensch, das kann dir doch jetzt überhaupt nicht passieren.
00:05:45: Beruflich gesehen hatte ich viel mit psychisch Kranken zu tun, die dann halt so Diagnostik haben.
00:05:51: Und ich sage immer, damals habe ich gesagt, ja, die Ehren kommen wieder.
00:05:58: Da wusste ich natürlich auch das Krankheitsbild und hab mich mit den Leuten dann auch verglichen.
00:06:05: Und das war schon sehr, sehr schwer auch überhaupt zu akzeptieren.
00:06:10: Hat auch mindestens fünf bis zehn Jahre gedauert, dass ich das letztendlich auch gefühlt habe.
00:06:18: Du bist jetzt psychisch auffällig beziehungsweise, ja, du bist psychisch krank.
00:06:25: Denn wir wissen alle, Der Bruch der Halt innerhalb von sechs bis zwölf Wochen, die Krankheit der Depression, wärst du, es klingt sehr, sehr katastrophal, wärst du nicht wieder los, weil entweder akzeptierst du das und lebst damit und dann kann man eigentlich auch ganz gut damit leben.
00:06:54: Aber ... Es kann natürlich auch nach hinten losgehen, dass ich die ganze Situation plus die Symptomatik wie Angst steigern kann, andere psychische Erkrankungen noch die Basis übernehmen.
00:07:08: Ich nehme Medikamente, ich weiß nicht, was mit diesen Medikamenten ausgelöst wird.
00:07:14: Auf der psychischen Ebene natürlich auch langfristig, dann organisch gesehen.
00:07:20: Und ... Denkt, es macht schon einigen zu schaffen.
00:07:23: Mit Sicherheit.
00:07:25: Wie bist du mit der Diagnose in einem sozialen Umfeld umgegangen?
00:07:29: Hält man damit erst mal so ein bisschen hinterm Berg, wenn man das selbst auch noch gar nicht so richtig annehmen möchte?
00:07:35: Ja, genau.
00:07:36: Genau, so ist es.
00:07:38: Es ist schon sehr, sehr schwierig, das auch zuzugeben für jeden natürlich unterschiedlich.
00:07:46: Und die Bereitschaft ist schon im Argen, weil ... Viel ist es natürlich auch der Vorbehalt, wie schon gesagt, du bist jetzt doof, du kannst nichts.
00:07:59: Kann ich mir sehr gut vorstellen.
00:08:00: Wann war denn der Punkt, als du andere Menschen in deinem sozialen Umfeld mit ins Boot geholt hast, Freundinnen, Freunde, Familie?
00:08:07: Ja,
00:08:08: das war circa ... Ich konnte mich nicht bewegen.
00:08:16: Ich habe keine Medikamente mehr genommen.
00:08:19: Ich habe mich so was von runter gefahren.
00:08:21: Und da hast du dann quasi deine Freundeskreis mit reingenommen?
00:08:25: Ja, genau.
00:08:27: Vorher schon, aber ich hatte natürlich auch gemerkt, dass zum Beispiel Arbeitskollegen da überhaupt nicht mit umgehen können.
00:08:34: Damals habe ich mich persönlich angegriffen gefühlt, weil zurück ... gezogen wurde und ich natürlich Schlussfolgerend auch mich nicht kundgetan hat.
00:08:47: Ich hatte aber auch das unsagbare Glück, tolle Leute, um mich zu sammeln und die mich dann unterstützt haben.
00:08:55: Also ich bin sozial dann gefördert worden durch verschiedene Institute, Institute zum Beispiel, Tagestätten und ambulant betreutes Wohnen.
00:09:08: Und mithilfe von Medikamenten-Einschleusung, in dem Fall waren das die richtigen Medikamente plus Betreuung.
00:09:18: Und dass ich natürlich auch selbst ganz, ganz viel an mir gearbeitet habe, also in Richtung von Psychotherapie, Gesprächstherapie immer wieder versucht habe zu reflektieren, ist das jetzt besser geworden.
00:09:35: Du hast ja von so einer Wellenbewegung gesprochen vorhin.
00:09:39: Wie geht man denn mit dieser Berg- und Talfahrt um?
00:09:42: Also freut man sich auf jedes Hoch?
00:09:45: Hat man Angst vor jedem Tief?
00:09:47: Ja, ich freue mich.
00:09:49: Ich hab mich gefreut, wenn es das Gefühl hat, ich kann wieder was machen.
00:09:54: Egal, ob das jetzt nur in der Wohnung gewesen ist.
00:09:58: Duschen.
00:10:00: Supertoll.
00:10:02: Natürlich schwingt dann auch wieder die Angst mit ein, wie lange hält das?
00:10:08: Wie weit geht es hoch?
00:10:09: Grenzt das dann wieder in Euphorie bzw.
00:10:14: Manny, was ja dann auch nicht gut ist?
00:10:17: Ja, die Angst schwingt eigentlich immer mittlerweile nicht mehr.
00:10:22: Nach drei Jahren weiß ich, was ich mit zutrauen kann.
00:10:26: Dieses Gefühl hast du überhaupt nicht mehr.
00:10:32: Das höre ich halt auch aus Leuten in der Selbsthilfegruppe, die dann wenig Zutrauen haben, Angst haben, unter Leute zu gehen, irgendwas zu organisieren, zu machen.
00:10:46: Irgendwie versuche ich dann natürlich auch aus meinen Erfahrungen heraus, die dann ein bisschen aufzufangen oder auch mitzunehmen.
00:10:55: Wie würdest du
00:10:56: ansonsten noch den Alltag mit der Erkrankung beschreiben?
00:11:00: Ein
00:11:00: großes Thema oder große Dankbarkeit empfinde ich darüber, dass ich wieder Freude habe am Leben.
00:11:08: Viele haben Gedanken von Suizid und machen das letztendlich dann auch, wenn sie in eine manische Phase übergehen.
00:11:19: Das hatte ich Gott sei Dank nie.
00:11:21: Aber es schwingt natürlich immer mit, wie kommst du jetzt aus diesem schönen Dilemma raus?
00:11:29: aus dem Morast.
00:11:32: Und heute kann ich sagen, toll, toll, toll.
00:11:35: Seit drei Jahren bin ich wieder unterwegs in der Gesellschaft.
00:11:40: Ich plane meine nähere Zukunft.
00:11:42: Ich kann organisieren.
00:11:44: War jetzt schon auf Reisen, was ich mir überhaupt nicht hab vorstellen können.
00:11:48: Das ging absolut nicht.
00:11:50: Das war nur Stress, die Vorstellung in den Bus oder in Öffis halt zu gehen.
00:11:57: Das war nicht machbar.
00:11:59: Ich hatte auch viel Begleitung, die dann halt quasi von irgendwelchen Pflegeinstituten unter Vertrag waren, die mir geholfen haben.
00:12:12: Ja.
00:12:13: Und heute ist es wenig notwendig.
00:12:16: Mal, ja.
00:12:18: Aber ich muss sagen, ich unterstütze mittlerweile und gehe dann mit den Menschen, mit den Bekannten, mit den Betroffenen, auch aus der Selbsthilfegruppe und organisiere.
00:12:30: Ja, super.
00:12:30: Also darüber sprechen wir gleich auf jeden Fall auch noch tiefergehend.
00:12:35: Ich hätte aber jetzt auch noch mal eine Frage, weil die Vorurteile und Missverständnisse noch riesengroß sind.
00:12:42: Wie geht es dir als betroffener Person damit, dass die Gesellschaft immer noch so negativ über Menschen mit Depressionen denkt?
00:12:53: Ich find das persönlich ganz, ganz schlecht, ganz negativ, was mich auch so ... traurig macht.
00:13:00: Und was ich mir wünschen würde, ist die Tatsache, dass da einfach mehr Toleranz ausgeübt wird.
00:13:08: Das fängt schon mit dem Arbeitgeber an.
00:13:11: Welcher Angestellte, vielleicht auch im öffentlichen Dienst, traut sich schon zu, das dann unter den Kollegen zu sagen.
00:13:21: Bei mir damals, und das ist mittlerweile ja auch schon ein paar Jahrzehnte her, habe ich mich nicht getraut.
00:13:28: Und das ist heute, stelle ich so in meiner näheren Umgebung immer noch so.
00:13:34: Und das finde ich ziemlich schade.
00:13:35: Wobei ich auch schon anderes gehört oder erlebt habe, dass viele Chefs einfach sagen, hier, das ist gut, ich stehe zu dir.
00:13:47: Das ist natürlich auch der Fall.
00:13:50: Da hätte ich mir damals gewünscht, so einen Arbeitgeber vielleicht auch gehabt zu haben, der ... ein Plateauschaft dafür und die Sprache spricht, die ich ja eigentlich auch mir wünsche, dann könnte man vielleicht auch anders miteinander umgehen.
00:14:09: Um's miteinander geht's jetzt auch, und zwar um eure Selbsthilfegruppe im Axta.
00:14:15: Du hattest ja schon erzählt, dass du da organisierst und Mut machst, die Menschen an die Hand nimmst.
00:14:22: Erzähl mal ein bisschen was von ... Eurer Zusammensetzung, wer seid ihr?
00:14:26: Wie groß ist eure Gruppe?
00:14:28: Meine Gruppe, ich sag immer mein, es ist aber unsere Gruppe.
00:14:32: Mittlerweile gibt es drei Enhörxter, was jetzt Thematik Depressionen angeht.
00:14:38: Es ist unterschiedlich gestaffelt von Alter her.
00:14:43: Wir haben jetzt unsere Gruppe mehr oder weniger strukturiert und gesagt, wir nehmen Leute auf.
00:14:53: von vierzig bis fünfundsechzig.
00:14:56: Das ist das Grow, was natürlich auch immer dynamisch ist.
00:15:00: Da können schon auch andere hin.
00:15:02: Wir haben in der Vergangenheit auch viel Aktivitäten außerhalb der Gruppe gemacht, wo Teilnehmer waren auch Angehörige oder je nachdem Interessierte.
00:15:14: Wir treffen uns beispielsweise zweimal, erste und dritte Montag jeweils im Monat.
00:15:22: über neunzig Minuten.
00:15:24: Da wird über allgemeine Themen gesprochen, aber auch natürlich über das, was gerade jeder beschäftigt, sprich die Depression.
00:15:35: Wobei ich jetzt gespürt habe, dass für mich das auch wichtig ist, normal zu reden.
00:15:44: Das heißt wie normale und nicht nur über die Krankheit.
00:15:49: Da versuche ich so ein bisschen einzuflechten, wie Achtsamkeit, wie gehe ich mit mir um, wie spreche ich, bringe meine eigenen Erfahrungen mit.
00:16:02: Und das natürlich auch lockt wieder andere, die dann ihr Thema entsprechend geben.
00:16:09: Wenn man ... sich ja dazu entscheidet, an so einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen und in so einen Raum kommt voller Fremder erstmal und dann so ein sensibles Thema mitbringt, ist ja Vertrauen wirklich essentiell.
00:16:23: Wie schafft ihr das denn, dass man sich auch gut fallen lassen kann in der Runde?
00:16:27: Ja, das ist eine sehr gute Frage.
00:16:30: Auf der anderen Seite jeder.
00:16:33: Viele, die dann teilnehmen, zu uns in die Gruppe kommen, haben schon Erfahrung mit Gruppenarbeit in Gesprächen oder waren in Psychiatrien, in anderen Instituten, wo immer wieder angeboten wird Gruppen.
00:16:50: Einzel Gespräche natürlich auch.
00:16:53: Und ich denke, da lernt man so ein bisschen Grundstock.
00:16:58: Und ... Jedes Mal, wenn neue in Anführungsstrichen kommen, ist natürlich auch Thema, was ist die Regel?
00:17:06: Und ein ganz, ganz wichtiges Thema ist natürlich die Verschwiegenheit.
00:17:11: Es heißt immer, dass was hier im Raum ist, was reinkommt, geht bitte nicht raus.
00:17:17: Und das ist Gesetz.
00:17:20: Und da, denke ich mal, kann man sich auch gut drauf erlassen.
00:17:24: Wir haben jetzt noch gar nicht geklärt, wie du eigentlich zu eurer Gruppe gekommen bist.
00:17:28: Es fing eigentlich nach meinem ersten Klinikaufenthalt an in der Psychiatrie in Wiesbaden.
00:17:36: Wir hatten ein gutes Konzept.
00:17:39: untereinander war Gemeinsamkeit und Offenheit natürlich.
00:17:45: Haben dann echte lang diskutiert.
00:17:48: Jeder hat so ein bisschen seinen Teil gegeben.
00:17:51: Und da habe ich mir gedacht, ja.
00:17:53: hättest ja schon mal Lust da irgendwie was zu inszenieren.
00:17:57: Dann hat sich das aber immer durch meine Hoch- und Tiefs nach hinten geschoben, also in die Zukunft geschoben.
00:18:04: Und als ich jetzt hier in Höchster wieder wohnhaft geworden bin, habe ich mir geschworen, das machst du jetzt.
00:18:12: Und das hat ja dann auch mithilfe von der parathetischen super gut geklappt.
00:18:18: Mittlerweile besteht ... Unsere Gruppe, meine Gruppe seit Zweiundzwanzig.
00:18:24: Du hast jetzt ja schon den Parethetischen erwähnt, deswegen würde ich sagen an dieser Stelle, es ist glaube ich ganz gut, wenn ich mal einen kurzen Einschub mache und ich etwas zur Selbsthilfe-Kontaktstelle erzähle.
00:18:36: Das ist nämlich eine Beratungsstelle des Parethetischen für die Kreise Paderborn und Höxter.
00:18:42: wo alle Unterstützung erhalten, die sich für Selbsthilfe interessieren und aufgrund einer Erkrankung oder auch einer belastenden Lebenssituation Austauschrat und Hilfe von anderen Betroffenen suchen.
00:18:53: Und das Team der Selbsthilfe-Kontaktstelle vermittelt euch dann gerne in bestehende Gruppen, hilft euch aber auch dabei, neue Gruppen zu gründen, zum Beispiel dann, wenn es zu einem bestimmten Thema noch keine passende Gruppe gibt.
00:19:06: Wo genau ihr die Selbsthilfe-Kontaktstellen für die Kreise Paderborn und Höchster sowie für Menten Lübcke und Herford, Herford findet.
00:19:16: Das steht wie immer in den Show Notes unter dieser Podcastfolge.
00:19:19: Und genau da, in der Selbstverkontaktstelle im Kreishöchster, hast du eben ja die Unterstützung bekommen.
00:19:26: Wie sah das Ganze aus?
00:19:27: Wie läuft sowas ab, wenn man mit einem Thema dahin kommt?
00:19:30: Ich
00:19:31: habe nur positive Erfahrungen gemacht.
00:19:34: Direkt am Anfang zu Beginn der Gruppe wird ... von der paritätischen Seite noch jemand an die Handgelände stellt und das Ganze passiert dann einmal in der Regel, wo unter anderem Regeln aufgestellt werden, eine kurze Einweisung gibt, was quasi auf dem Plan ist, was gemacht werden kann, Vorstellung und Blitzlicht.
00:20:02: Und blitzlicht?
00:20:03: Und blitzlicht, das ist so ein typisches Wort irgendwie für die Tatsache, sag mir, wie es dir geht, wie du fühlst, was du machst, wie es dir von der Psyche her geht, ob du irgendein Thema mitbekommst, mitbringst, das dann halt thematisiert wird auch an dem Abend.
00:20:24: Und wir machen immer einen Brainstorming, sammeln dann Themen und klustern das auch.
00:20:31: Und ihr habt tatsächlich auch Räumlichkeiten.
00:20:34: Genau, innerparitältisch.
00:20:36: Auch das ist natürlich super hilfreich,
00:20:39: wenn
00:20:39: die Räume gestellt werden, wenn man so eine Gruppe gründet.
00:20:43: Gemeinsame Erlebnisse, gemeinsam rausgehen, gemeinsam auch wieder unterm Menschen kommen.
00:20:49: Das ist ja ein sehr großer Bestandteil auch eurer Gruppe.
00:20:54: Welche konkreten Effekte Hat die Gruppe denn noch so auf euch?
00:20:58: Generell ist es halt auch zu merken, zu spüren, dass es anders werden kann, dass es anders wird.
00:21:08: Und die Gemeinsamkeit für uns sonst heißt es ja nicht geteiltes Leid.
00:21:13: Es ist halbes Leid und das spürt man dann halt schon.
00:21:18: Ich stelle auch immer wieder fest, dass viele Teilnehmer dann mit dem Lachen einfach aus der Tür gehen nach Abschluss des Abends, nach dem Treffen, uns oder sich halt auch auf das Treffen freuen, wenn wir außerhalb was machen.
00:21:35: Und da kommt in der Regel eine positive Resonanz.
00:21:39: Also, denke ich mal, ist das auch wichtig.
00:21:43: Auch so ein bisschen als Halt, als Ankerpunkt im Alltag.
00:21:47: Genau,
00:21:48: ja.
00:21:49: Was ich auch mir vorstellen könnte, ist, dass einfach das Verständnis natürlich ein ganz anderes ist für einander, oder?
00:21:56: Ja,
00:21:56: da braucht nicht großartig erklärt werden.
00:22:01: Jeder weiß, wie es sich anfühlt, nichts machen zu können und immer wieder dieses typische Bild von, ich bin eingewickelt in einen Concours, ich kann nichts machen.
00:22:14: Und auf der anderen Seite ... Denk ich, weiß ich aber auch, dass viele Teilnehmer der Selbsthilfegruppe Angehörige haben, die sie nicht belasten möchten.
00:22:25: Weil das natürlich auch für die Angehörigen eine ganz schöne, miese Situation sein kann.
00:22:32: Dann bleiben wir doch mal genau bei den Angehörigen.
00:22:35: Denn Depressionen ist ja auf jeden Fall auch eine Erkrankung,
00:22:39: die
00:22:40: auch teilweise starke Auswirkungen ... auf die Kurbetroffenen haben.
00:22:45: Du hattest ja vorhin auch gesagt, auch Kurbetroffene dürfen bei euch in der Gruppe mitmachen, dürfen da teilnehmen.
00:22:52: Ich empfinde das als wahnsinnig wichtiges Tool, sich da zu vernetzen.
00:22:56: Es gibt
00:22:57: auch grad im Kreis Höchster.
00:22:59: Ich weiß von einigen Gruppen, weil wir immer so ein regionales Treffen haben, dann lernt man sich dann kennen, dass es einige gibt.
00:23:08: die sich auf die Fahne schreiben, ich bin Angehöriger oder Freund oder teilweise auch Menschen, die mit uns arbeiten, dass einfach so ein Interessenaustausch stattfindet, Verständnis geschürt wird und publiziert wird.
00:23:24: Ich finde ich gerade extrem wichtig, dass wir das auch nochmal herausstellen, weil bei den Angehörigen ist es ja so, dass die eben nicht in ... Kliniken, Instituten oder in Therapien sind, die ja gerade deshalb auch einen Raum brauchen, für Austausch, um Verständnis zu bekommen, weil die ja ansonsten im Alltag keinen Punkt haben, wo sie auch mal abladen können.
00:23:49: Genau, das ist halt wichtig und ich merke auch immer, dass denen das dann gut tut, dass auch das ... Zwischenmenschliche, zwischen erkrankten und co-abhängigen dann schon besser wird, anders oder sich ändert im Laufe der Zeit.
00:24:07: Was würdest du sagen, sind so die größten Auswirkungen von Depressionen, die Co-Betroffene auch beeinflussen und mitbetreffen könnten?
00:24:19: Ja,
00:24:19: die Zukunft auch derer.
00:24:22: ist ja beeinträchtig.
00:24:24: Ich als Erkrankte weiß ja nicht, wie das mit mir weitergeht.
00:24:29: Ich kann zwar die Hoffnung oder meine ganze Kraft, die ich vielleicht dann zur Verfügung habe, investieren, aber die Selbstsicherheit fehlt dann einfach.
00:24:39: Das Urvertrauen, was ja total weg ist.
00:24:43: Selbstsicherheit, Selbstwert, Selbstvertrauen.
00:24:46: Wird das in der Selbsthilfegruppe auch so ein bisschen wieder aufgebaut?
00:24:51: Auf jeden Fall.
00:24:52: Ja, das wird unterstützt.
00:24:53: Natürlich kann die Selbsthilfegruppe, und da möchte ich auch noch mal darauf hinweisen, nicht den therapeutischen, send- oder ärztlichen Zweck erfüllen.
00:25:03: Das geht nicht.
00:25:05: Da ist, denke ich mal, auch die Selbsthilfegruppe ein bisschen überfordert oder der Einzelne überfordert.
00:25:12: wird beispielsweise auch immer wieder gesagt, wenn das Thema jetzt für dich zu viel ist, dann reagier also.
00:25:20: Das ist nicht unbedingt die Pflicht bis zum Schluss dann dabei zu sein, sondern jeder darf sein Dasein individuell gestalten.
00:25:30: Seid ihr dann auch offen für Menschen, die noch keine Diagnose haben?
00:25:33: Auf
00:25:33: jeden Fall.
00:25:34: Es sind einige dann schon darunter oder haben mal geschnüffelt, was ich auch total begrüße.
00:25:41: Auf der einen Seite ist das natürlich auch eine Bereicherung für diejenigen, die schon längere Zeit jetzt in Gruppe sind.
00:25:50: Kommt immer wieder ein frischer Wind rein.
00:25:53: Die Kultur ist da.
00:25:55: Die Offenheit, du darfst reden, musst aber nicht.
00:26:00: Hättest du dir eine ähnliche Konstellation, einen ähnlichen Raum gewünscht am Anfang deiner Erkrankung, als du sie wahrgenommen hast?
00:26:09: Ja,
00:26:09: auf jeden Fall.
00:26:10: Allein dieses Interpretieren, wie ist das?
00:26:15: Wie fühlt sich das an?
00:26:16: Ist das ein normales Falten eines Depressiven?
00:26:21: An wen kann ich mich wenden?
00:26:23: Dann spielt ja auch immer ein ... Die Sozialkompetenz, viele haben dann auch Ängste grad sozial gesehen im Umgang mit Menschen.
00:26:36: Und ich finde, dass das ein Grundstock ist, wo eine gewisse Bereitschaft auch Toleranz da ist, zu reden, zuzuhören.
00:26:47: einfach nur da sein.
00:26:48: Und so wie ich das jetzt rausgehört habe, ist das bei Sammensein ja auch tatsächlich wirklich sehr lebendig.
00:26:55: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das wirklich auch hoffnungsspendend ist und vielleicht auch mal gut tut, eben nicht nur negativ und betrübt, über die Erkrankung zu sprechen, sondern eben auch über die positiven Lichtblicke, die das Leben einem so gibt.
00:27:10: Genau, einfach da ist ein bisschen den Fokus draufsetzen, ne?
00:27:14: Dass ... Das Leben halt nicht Unendliches.
00:27:18: Es ist wichtig, einfach mal den Schalter umzulegen und nicht zu sagen, das Glas ist halb leer, das Glas ist immer auch halb voll.
00:27:29: Und die Sonne scheint, auch wenn Schatten da ist.
00:27:32: Das ist sehr schön gesagt.
00:27:34: Die ... Erkrankung bleibt.
00:27:37: Man kann mit ihr leben.
00:27:39: Man kann sehr gut leben.
00:27:41: Es kommt immer darauf an, inwieweit meine Bereitschaft da ist, auch dran zu arbeiten oder mich zu reflektieren, Hilfe in Anspruch zu nehmen oder halt auch zu verbalisieren.
00:27:53: Ich brauche jetzt Hilfe.
00:27:55: Das ist ganz, ganz wichtig.
00:27:56: Wobei ich auch Menschen verstehe und die sagen, ich kann das nicht.
00:28:02: Aber ich durfte erfahren ... kann, gibt es nicht.
00:28:06: Es gibt immer einen kann.
00:28:08: Selbst wenn man das in der depressiven starken Episode in dem Augenblick nicht sieht, es gibt immer einen weiter.
00:28:17: Wenn die Depression ein Mensch wäre, wäre sie an deiner Hand, an deiner Seite.
00:28:21: Wäre sie Freund oder Feind.
00:28:23: Das kann ich mir übrigens sehr gut vorstellen.
00:28:26: Es wird ja auch viel gemalt, also therapiemäßig und um Ausdruck zu schaffen.
00:28:32: Weil Leute, die nicht reden, die können über solche Hilfsmittel einfach rankommen an ihr Innerstes.
00:28:40: Ja, momentan würde ich sagen, meine Krankheit ist da.
00:28:46: Ich begrüße Sie, ich bin hier dankbar.
00:28:48: Sonst hatte ich all die Menschen, die erkennt, dass sie die Erfahrung nicht gab.
00:28:53: Ich würde heute mit Sicherheit nicht hier sitzen.
00:28:56: Und dadurch hatte ich auch die Möglichkeit, noch mal so ein Riestart zu machen.
00:29:04: Also zu sagen, die Leute in der Vergangenheit, das war okay.
00:29:09: Aber jetzt geht es mir anders, geht es mir vielleicht sogar viel, viel besser.
00:29:15: Dadurch, dass ich mehr Antennen auf habe und vor zehn Jahren war es genau das Gegenteil, da habe ich dann solche Gedanken gehabt, wie ausgerechnet muss mir das passieren.
00:29:28: Und das war absolut nicht schön.
00:29:31: Also das wünsche ich meinem Erksten Feind nicht.
00:29:33: Umso schöner, dass du jetzt an diesem Punkt bist und dass du ja ein tolles Vorbild bist, auch was das betrifft, dran zu bleiben, nicht aufzugeben.
00:29:43: Egal, wie dunkel es manchmal auch ist, wirklich das Licht zu sehen, sich weiterzuentwickeln.
00:29:48: Sogar mit sechzig geht das noch.
00:29:52: Auf jeden Fall.
00:29:53: Was würdest du unseren Zuhörenden denn raten, wenn sie jetzt überlegen?
00:29:58: Ah, das klingt ja alles sehr spannend und interessant und eigentlich würde ich gerne mal rein schnuppern in die Selbsthilfegruppe, aber ich bin mir noch nicht so richtig sicher.
00:30:06: Also ich würde den Menschen, den Interessierten auf jeden Fall anbieten, kommen vorbei.
00:30:17: Schnupper, um das Wort nochmal aufzugreifen.
00:30:20: Schnupper einfach mal.
00:30:21: Dieser Wind ist halt auch sehr, sehr erfrischend und er kann wertschöpfend sein.
00:30:28: Das auf jeden Fall.
00:30:29: Oder zumindest dann andere Impulse setzen, ein anderes Bild zu schaffen, die eigene Engstirnigkeit weiter auszurichten auf einen anderen Fokus, sondern einen weiteren Fokus.
00:30:43: Ja, ich finde, das gibt auf jeden Fall Mut und vielleicht einen kleinen Ansturbser doch mal vorbeizukommen bei euch.
00:30:49: Und wie wir gehört haben, man muss auch gar nichts sagen.
00:30:53: Man kann auch einfach... Dabei sitzen, sich erst alles erst mal anhören, bevor man sich öffnet.
00:30:58: Alles ist erlaubt.
00:30:59: Ja, Martina, danke, dass du deine Geschichte so ehrlich und offen mit uns geteilt hast.
00:31:06: Gerne.
00:31:06: Wir haben gehört, Depression ist verbreitet, zeigt sich sehr unterschiedlich und Austausch in Selbsthilfegruppen wie in Höxter zum Beispiel kann erheblich entlasten, motivieren und auch Orientierung geben.
00:31:22: Wichtig ist, wenn du Lieber Zuhörender, selbst akut gefährdet bist oder Suizidgedanken hast, dann suche bitte sofort professionelle Hilfe oder die nächste Notfallstelle.
00:31:33: In akuter Gefahr wähle auch die eins, eins, zwei.
00:31:37: Und an der Stelle bleibt uns nur noch zu sagen, alles Gute für euch.
00:31:41: Ja, genau.
00:31:43: Und nie den Kopf hängen lassen, immer schön weitermachen in Richtung Positivdenken.
00:31:49: Ich würde mich freuen, wenn ihr auch in der nächsten Folge Selbsthilfe hat Stimme wieder mit dabei seid.
00:31:54: Ihr dürft auch gerne unseren Podcast teilen und bewerten.
00:31:58: Und damit sage ich bis zum nächsten
00:32:01: Mal.
00:32:01: Tschüss.
00:32:05: Das war Selbsthilfe hat Stimme, der Podcast.
00:32:09: Unterstützt von der AOK Nordwest.
00:32:11: Weitere Informationen findest du in den Shownotes.
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