Binge Eating
Shownotes
Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Minden-Lübbecke ist zu erreichen unter 0571 8280217 , selbsthilfe-mi-lk@paritaet-nrw.org , Simeonstraße 19, 32423 Minden
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00:00:04: Selbsthilfe hat Stimme, der Podcast.
00:00:06: Unterstützt von der AOK Nordwest.
00:00:11: Ich bin da, ihr seid da, mein Gast ist auch da.
00:00:15: Dann kann es losgehen mit dieser Episode.
00:00:18: Allein in Deutschland sind zwei Millionen Menschen betroffen und trotzdem wissen einige von euch über das Thema dieser Folge entweder gar nix oder nur sehr wenig.
00:00:28: Es geht um die Binge-Eating-Störung.
00:00:31: Das ist die häufigste Form von Essstörungen, bei der Betroffene immer wieder sehr große Mengen essen und dabei das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, ohne nachher zu erbrechen oder zu fasten.
00:00:42: Wichtig ist, oft bleibt die Störung lange unentdeckt, weil Betroffene aus Scham nicht darüber sprechen.
00:00:48: Und die AOK warnt, Binge Eating kann auch von ernsthaften psychischen und körperlichen Belastungen begleitet werden, also beispielsweise Übergewicht, Stress oder anderen mentalen Beschwerden.
00:01:00: In dieser Folge spreche ich mit Chris Bartoll darüber, wie sich Binge Eating für ihn im Alltag anfühlt und wie er in der Selbsthilfegruppe Lebensessenz aus dem Kreis Mitten Lübecke Unterstützung gefunden hat.
00:01:13: Hallo und herzlich willkommen, Chris.
00:01:15: Hallo.
00:01:16: Schön, dass du da bist.
00:01:17: Ich freue mich.
00:01:19: Essen bedeutet für mich persönlich, aber sicher auch für viele unserer Zuhörenden, Lebensqualität, Genuss, also mal abgesehen von der ganz normalen Nahrungsaufnahme.
00:01:31: Wie ist dein persönliches Verhältnis zu Essen?
00:01:35: Da würde ich die ersten Mal kurz zustimmen, dass ja oft gesagt wird, dass Essen so die Essenz des Lebens ist und das sollte sie auch bleiben.
00:01:44: Bei mir ist das halt so, dass Essen irgendwann so die Kontrolle übernommen hat.
00:01:47: Auch, glaube ich, schon sehr, sehr früh.
00:01:50: Und ich glaube, es ist immer so ein bisschen, dass man versucht, da sein Ausweg drin zu finden.
00:01:57: Beziehungsweise ist es immer das, was einem quasi in dem Moment hilft.
00:02:00: Aber eigentlich macht es alles nur noch schlimmer.
00:02:02: Also es ist so ein bisschen wie so eine Falle, die man sich selber stellt.
00:02:06: Also eine Art von Kompensieren irgendwie.
00:02:10: Wann hat das denn bei dir angefangen, dass du gemerkt hast, Essen für dich eben schon auch ein dolles Thema ist, dass du dich da vielleicht mehr miteinander setzt als andere.
00:02:20: Ich glaube, tatsächlich schon sehr, sehr früh, so mit acht, da war mir auch mal sehr, sehr wichtig, zum Beispiel beim Frühstück schon zu wissen, was gibt es beim Abendessen?
00:02:30: Weil ich immer schon diese Sicherheit brauche, dieses Planen und irgendwann hat das halt überhand genommen.
00:02:38: Also ich bin auch ein Genießer, ich esse Süßigkeiten auch gerne.
00:02:44: Aber irgendwann ist es umgeschlagen, ich glaube auch mit Beginn meiner Depression, mit vierzehn, fünfzehn, dass ich halt immer mehr gegessen habe.
00:02:55: Weil man vielleicht auch keine Struktur mehr hatte, weil alles so ein bisschen zusammengebrochen ist und Essen war immer das, was dann einfach noch dageblieben ist.
00:03:04: Da hat man dann einfach zu viel gegessen.
00:03:06: Also du warst ein Kind.
00:03:09: Wie hat denn das Umfeld darauf reagiert?
00:03:11: War da für dein Umfeld schon klar, dass dein Essverhalten vielleicht anders ist als von anderen Kindern?
00:03:17: oder ist das gar nicht wirklich aufgefallen?
00:03:19: Weil ich muss schon sagen, wenn ein Achtjähriger erst mal gerne ist, dann sagt man, das ist aber ein guter Esser oder gerne Süßigkeiten mag, dann macht man sich darüber noch nicht so viele Gedanken als Erwachsener oder als Erziehungsberechtigter.
00:03:32: Wie war das bei dir?
00:03:34: War das schon ein Thema bei dir in einer sozialen Situation?
00:03:39: Mit acht Jahren gab es in der Schule so eine Untersuchung für Kinder.
00:03:44: Da hatte man mir gesagt, weil ich da gefragt habe, was ich machen kann, weil ich mich zu dick gefühlt habe.
00:03:50: Da haben die gesagt, alles gut.
00:03:52: Es ist okay, einfach ein bisschen mehr Sport, ein bisschen weniger Süßigkeiten, dann wird das.
00:03:58: Irgendwie hat es aber nicht funktioniert.
00:04:00: quasi.
00:04:01: Also irgendwie habe ich da mein Weg nicht gefunden.
00:04:04: Irgendwie hat sich immer mehr aufgebaut.
00:04:07: Also hast du von außen noch nicht so wirklich Unterstützung bekommen?
00:04:11: Wie bekomme ich das in den Griff?
00:04:13: Weil es vielleicht auch noch nicht so richtig ernst genommen wurde.
00:04:16: Also weil es vielleicht aber auch gar nicht noch gar nicht so stark ausgeprägt war, dass wirklich eine Erkrankung diagnostiziert wurde.
00:04:22: Ja.
00:04:23: Was mich als Kind auch immer begleitet hat, war Thema Abnehmen war eigentlich auch immer im Umfeld schon immer Thema.
00:04:29: sei es durch Freunde, durch meine Familie, wo man das halt immer schon mitbekommen hat.
00:04:35: Und ich weiß nicht, ob man dann vielleicht auch irgendwo mitziehen wollte auch.
00:04:40: Ja, also es ist omnipräsent.
00:04:42: Das Thema Schönheitsideale, Abnehmen, also das schwingt immer irgendwie so mit.
00:04:48: Und gerade, wenn man in die Probität kommt, ist das natürlich das Nonplus Ultra, dass man irgendwie gut aussehen möchte, ne?
00:04:57: Und da ... Ja, haben wir in unserer Gesellschaft ja leider immer noch das Bild, dass Menschen schlank sein müssen und so weiter und so fort.
00:05:03: Ich kann mir schon vorstellen, dass das wie so eine Spirale gewesen ist vielleicht dann.
00:05:08: Also da stimm ich dir auf jeden Fall zu.
00:05:10: Ich habe mir auch sehr früh angefangen, irgendwelche Personen als Vorbild zu nehmen und es zu mir selbst zu sagen, genau so muss ich aussehen.
00:05:19: Ich muss so schön sein und alles auch ein bisschen um dazuzugehören.
00:05:24: Die Grundschule war noch okay, aber in der Hochschule hatte ich dann auch Erfahrungen mit Mobbing und alles.
00:05:30: Es war immer so ein bisschen schwierig.
00:05:34: Und du bist ja auch wirklich noch sehr jung.
00:05:36: Das heißt, ich könnte mir vorstellen, du bist auch schon aufgewachsen mit digitalen Medien.
00:05:41: Und das ist natürlich auch ein riesengroßer Faktor, Social Media.
00:05:45: Man wird ständig beschallt von Menschen, die ... überperfekt aussehen oder wirken.
00:05:52: Sie sind es ja meistens gar nicht, aber dadurch, dass man Foto-Bearbeitung, die es das jenes hat, wird man natürlich andauern konfrontiert mit, so
00:06:00: musst
00:06:01: du aussehen.
00:06:02: War das bei dir auch ein Thema?
00:06:04: Ja, das hielt an bis... ...zwei-tausend-achzehn.
00:06:10: Da bin ich dann aus meinem Elternhaus ausgezogen.
00:06:14: Und hier nach mitten gezogen.
00:06:16: Und da habe ich erst gelernt, mich immer mehr weiterzuentwickeln und immer mehr, also immer weiter weg von dem, wie man sein muss, zu dem hin, wie ich sein möchte.
00:06:28: Da habe ich so meine Entwicklung gemacht.
00:06:30: Und auch gelernt, dich abzugrenzen, wahrscheinlich.
00:06:34: Wie ist es überhaupt zu der Diagnose gekommen?
00:06:36: Also ich weiß auch gar nicht mehr genau, wann das diagnostiziert wurde.
00:06:39: Das ist gleich schon sehr lange her.
00:06:41: Ich glaube, präsent wurde das Thema auch immer in Klinik aufenthalten.
00:06:45: Da hatte ich jetzt drei Stück von ... Da wurde natürlich immer auch viel darüber geredet, dass ich halt auch zu viel esse, dass ich über Gewicht hab.
00:06:54: Und da wurde es quasi mitdiagnostiziert.
00:06:57: Also das war quasi ein Teil von einer großen, größeren Diagnose sozusagen.
00:07:03: Okay.
00:07:04: Mensch-eating ist wahrscheinlich für viele Hörerinnen und Hörer noch irgendwie so ein nicht greifbarer Begriff.
00:07:12: Was versteckt sich dahinter?
00:07:15: Also, wie erlebst du diese Essstörung in deinem Alltag?
00:07:19: Was bedeutet das?
00:07:20: Also, ich glaube, auf jeden Fall erst mal für Außenstehende ist es immer dieses klassische, ja, ist doch einfach weniger, macht noch ein bisschen mehr Sport, dann klappt das alles.
00:07:28: Aber es ist leider gar nicht so einfach, weil oft trägst man sich selber aus und manchmal weiß man auch, okay, Z.B.
00:07:37: diese Tafelschokolade wollte ich mir nicht kaufen und dann bestelle ich mir aber trotzdem abends was zu essen.
00:07:41: Also es ist so ein bisschen, dass man sich selber auch in diese Fallen bringt.
00:07:46: Und oft ist das aber so, ich habe dann auch versucht, radikal auf Süßigkeiten zu verzichten.
00:07:53: Und das war, glaube ich, das erste Mal, wo ich gemerkt habe, was das überhaupt mit mir macht, dass man dann wirklich anfängt, wie ein Tier durch die Wohnung zu tigern.
00:08:01: und sich denkt, wenn jetzt einer klingelt, dann schrei ich den an oder so.
00:08:05: Das fand ich schon krass zu merken, inwieweit Essen einen im Griff haben kann.
00:08:11: Essen, was eigentlich nur dazu da ist, uns am Leben zu halten, was man mal genießen kann, was auch Spaß machen kann.
00:08:19: Dass das aber so ein Lebensinhalt wird und alles andere so ein bisschen überdeckt.
00:08:25: Also ich stelle mir das so vor, du wachst morgens auf, der Kopf geht an und ... Da muss ich mich jetzt auch einfach mal mit dazunehmen.
00:08:32: Bei mir, ich denke so alles auf meinen Kaffee und dann,
00:08:36: oh ja, ich
00:08:36: würde jetzt gern mal nüsli Frühstücken, das schmeckt mir so gut.
00:08:39: Und dann ist aber bei mir auch der Magen voll.
00:08:42: und dann denke ich so Mittags oder Nachmittags, wenn der Magen sich wieder meldet, dann denke ich wieder ans Essen.
00:08:48: Wie sieht so ein Tag bei dir aus, wenn du aufstehst?
00:08:51: Also der Morgen ist eigentlich nie das Problem.
00:08:55: Also bei mir sieht ein Tag auch eigentlich ganz normal aus mit Frühstücken.
00:08:59: Nicht ganz krass viel.
00:09:02: Mittagessen, mal warm, mal kreilt, mal mehr, mal weniger.
00:09:07: Aber abends ist dann immer so mein Problem.
00:09:09: Wenn ich zum Beispiel dann Hunger hab, kommt auch oft dieser Gedanke, okay, ich muss mir jetzt Essen bestellen, obwohl man vielleicht auch nicht die finanziellen Mittel dazu hat.
00:09:19: Und dann gerät man direkt in so ein Strohdel, wie du auch schon gesagt hast.
00:09:25: Und manchmal ist es aber so, dass das nur eine Sache von der Minute ist und zack hat man sich Essen bestellt.
00:09:30: So, und entweder wartet man dann sehnsüchtig, weil man auch richtig Bock drauf hat oder man denkt sich währenddessen schon, Scheiße, warum habe ich das schon wieder gemacht?
00:09:40: So ein bisschen, als würde in dem Moment der Kopf ein bisschen ausschalten.
00:09:45: Also ich höre da auf jeden Fall raus, dass du das Thema Essen auch immer mit einer Selbstverurteilung so ein bisschen verbindest?
00:09:52: Ja, das ist so.
00:09:55: Es ist nicht nur Genuss, sondern es ist auch mal direkt hinterher so was wie, warum habe ich das jetzt gemacht und so.
00:10:00: Also was geht da so im Kopf bei dir vor?
00:10:03: Es ist manchmal Erschöpfung gegen diese Gedanken anzukämpfen.
00:10:07: Es ist, dass man dann vielleicht auch wirklich sagt, boah, da habe ich lange nicht bestellt, da habe ich jetzt wirklich Lust drauf.
00:10:14: Aber es ist halt immer mit so einer Art Charme verbunden.
00:10:19: Ich glaube, also ich bin mir eigentlich schon bewusst, dass es auch ein Fehler ist, wenn ich mir zum Beispiel Essen bestelle.
00:10:25: Und trotzdem macht man es am Ende.
00:10:26: Okay.
00:10:28: Jetzt hast du das Wort Charme gerade gesagt.
00:10:31: Wie ist das bei dir?
00:10:33: Wissen, Freunde, Familie, Bescheid darüber, dass Essen für dich ein, ich sag jetzt mal belastetes Thema ist?
00:10:42: Oder möchtest du das eigentlich nicht so gerne teilen?
00:10:46: Also in meinem Umfeld gehe ich sogar sehr transparent damit um.
00:10:49: Und irgendwann habe ich halt auch gesagt, okay, ich möchte Hilfe haben.
00:10:53: Und ich brauche auch diese Hilfe.
00:10:55: Besonders dieses Jahr habe ich für mich fest diese Entscheidung getroffen, dass ich es auch alleine nicht schaffe.
00:11:01: Und ich glaube, was das Fiese an Binge Eating noch ist, ist es halt quasi das genaue andere Gegenteil der anderen Essstörung, Anorexie.
00:11:11: Und der Rest sind einfach die dicken.
00:11:14: Die müssen einfach nur weniger essen, mehr Sport machen und einfach nur ihr Leben in den Griff kriegen.
00:11:20: Und das finde ich immer so ein bisschen schade.
00:11:23: Weil das ermöglicht natürlich den Leuten nicht diesen Zugang zu sagen, hey, ich glaube, ich habe ein Problem.
00:11:29: Sondern einfach, ich bin ja einfach nur dick.
00:11:32: Ich muss ja einfach nur was ändern.
00:11:34: Also Vorurteile auch nach dem Motto, einfach nur zu faul, zu bewegen.
00:11:40: Geht doch einfach mal eine Runde um Block und dann regelt sich das schon.
00:11:44: Damit hattest du in deinem Leben auch schon doll zu kämpfen.
00:11:48: Ja.
00:11:49: Unter anderem auch, weil ich das selber zu mir gesagt hab.
00:11:53: Also, ich glaub, ich hab's nie wirklich wie eine Diagnose behandelt, sondern immer eher so, ja, wird schon wieder, oder ja, ich muss einfach nur ein bisschen abnehmen, dann geht's auch wieder.
00:12:05: Aber ich weiß nicht, so ab diesem Jahr besonders hab ich gemerkt, dass da auch irgendwie einfach viel mehr dahinter steckt.
00:12:11: Weil sich vielleicht noch gar nicht wirklich weiß.
00:12:13: Das klingt für mich total nach Selbstannahme, so zum ersten Mal akzeptieren, dass das zu dir gehört.
00:12:20: Ja, das ist auch, glaube ich, der Schritt, wo mich die am meisten zu kämpfen hat.
00:12:25: Oft muss man ja die Dinge erstmal annehmen, damit man dann etwas verändern kann.
00:12:30: Und ich glaube, in dem Prozess befinde ich mich gerade.
00:12:33: Wie ist das bei so Familienfeiern zum Beispiel?
00:12:37: Familienessen in so einer Gruppe essen, ist das für dich eher schwierig?
00:12:41: Weil man da natürlich auch dann in so einem... Gruppenzwang, sag ich jetzt mal, kommt.
00:12:46: Also wenn ich mir vorstelle, der Tisch ist voll mit leckeren Sachen, dann ist man ja geneigt, auch immer noch mal was nachzunehmen und so.
00:12:54: Und wenn die anderen noch mal was nehmen, dann nehme ich mir auch noch mal einen Teller und so.
00:12:58: Also solche sozialen Situationen, ist das schwierig für dich oder hast du mittlerweile damit gelernt, umzugehen?
00:13:05: Teils, teils.
00:13:06: Also eigentlich plane ich mir dann mein Essen auch so ein, dass ich auch bei den Familienfeiern dabei sein kann und auch Kuchen essen kann, vielleicht auch ein zweites und drittes Stück.
00:13:15: Es gab aber zum Beispiel eine Situation, mein Opa ist ein super lieber Herzensmensch und ich habe den wirklich sehr, sehr gern.
00:13:22: Und das war eine Phase, wo es dann von einem besseren Gewicht wieder umgeschlagen ist zur deutlichen Zunahme.
00:13:30: und da hat er mir dann noch ein paar WhatsApp geschrieben.
00:13:33: Er freut sich darüber, dass ich so einen Appetit hab.
00:13:38: Aber ihm ist das halt aufgefallen.
00:13:40: Und ich weiß, er meint, dass alles nicht böse.
00:13:42: Aber das war so ein Moment, wo ich dachte, boah, ich schäme mich
00:13:45: gerade.
00:13:46: Ich könnte mir auch vorstellen, dass man sich dann gerade, wenn man auch rausgegangen ist mit der Thematik, sich vielleicht auch ein bisschen beobachtet fühlt beim Essen, oder?
00:13:55: Ja,
00:13:55: da störe ich dir voll zu.
00:13:57: Es ist oft so dieses, was denken Andere über mich ... guckt mein Bauch gerade raus.
00:14:03: Also auch so dieses optische sich selbst gegenüber, dass ich immer denke, boah, ich nehme sehr viel Platz ein, zu viel Platz.
00:14:11: Und ich weiß nicht, ob ich wirklich so viel essen auf dem Teller tue, wie es für mich aussieht.
00:14:18: Du analysierst ja Essen auch dann ständig und bewertest das Essen ständig.
00:14:24: Und wenn man sich... ja so hyperfokussiert auf eine Sache, dann kann ich mir vorstellen, dass man das gar nicht mehr so richtig ins Verhältnis setzen kann zur Realität.
00:14:34: Und auch, dass wenn man zum Beispiel etwas kauft oder so, dass man direkt Kalorien im Kopf hat.
00:14:40: Also das ist halt auch so ein bisschen so ein Lebensbegleiter.
00:14:44: Das ist Segen und Fluch für mich, sind diese Tracking-Apps.
00:14:47: Eigentlich finde ich es cool, wenn man sich einen Überblick verschafft, was man eigentlich alles so ist den Tag über.
00:14:53: Und irgendwann habe ich auch gesagt, okay, ich hatte jetzt eine Fressattacke, ich schreib das jetzt alles auf.
00:14:59: Dass man wirklich einfach auch mal die Zahlen vom Auge hat.
00:15:02: In der Hoffnung, dass es einem so ein bisschen hilft, so ein bisschen die Augen öffnet.
00:15:06: Aber ja, es ist Segen und Fluch zugleich.
00:15:09: Weil oft ist es dann auch dieses, oh Gott, ich muss das jetzt unbedingt noch eintragen.
00:15:15: Man möchte diese Kontrolle behalten, aber das führt oft zu einem Kontrollverlust
00:15:19: irgendwie.
00:15:20: Ja, sehr schön ausgedruckt.
00:15:21: Es klingt halt auch so ein bisschen wie ein Zwang, was natürlich dann auch schon wieder zu einem deutlichen Problem werden kann.
00:15:29: Du hattest jetzt das Wort Fressattacke benutzt.
00:15:32: Es klingt so, als würde man dann wirklich keinen Ende finden.
00:15:36: Stoppt man dann, wenn man merkt, okay, jetzt passt wirklich nichts mehr in den Magen oder ... Was steckt dahinter?
00:15:42: Weil für jemanden, der das noch nicht erlebt hat, ist es so ein bisschen schwierig, sich das vorzustellen, was eine Fressattacke bedeutet für Betroffene.
00:15:51: Also ein klassisches Beispiel ist bei mir, ich gehe vormittags einkaufen, gehe durch die süßwaren Abteilung, durch die backwaren Abteilung am Sushi vorbei und Tiefkühl und ich freue mich irgendwie, dass ich diesen Druckstand halten kann.
00:16:08: Und so gegen abends fängt, bricht es dann aber ein und dann bestelle ich irgendwo was und dann bestelle ich oft sehr, sehr viel.
00:16:16: Also so schon, dass man dann irgendwann da sitzt und sich denkt, boah, ich esse jetzt gar nicht mehr, weil ich Hunger hab oder weil es lecker ist, sondern einfach vielleicht auch, weil es da ist.
00:16:25: Weil ich hab dafür Geld bezahlt, jetzt will ich es nicht wegschmeißen.
00:16:28: Und es gab aber auch eine Situation, das war glaube ich fast schon mit der Höhepunkt.
00:16:35: Das war auch zu der Zeit der Höhepunkt von meinem Gewicht.
00:16:38: Da hab ich mir eine ganze Auflaufform mit einem Auflauf gemacht, wo ich eigentlich mal zwei Portionen hatte.
00:16:44: Und ich habe diesen ganzen Auflauf an einem Abend gegessen und er kam leider wieder raus.
00:16:50: So, und das fand ich wirklich krass, dass man auch über seine physischen Grenzen hinaus ist.
00:16:57: Dass sogar der Körper sagt, oh Gott, ich kann das nicht, ich muss es jetzt wieder loswerden.
00:17:02: Das fand ich wirklich sehr krass.
00:17:05: War das so ein Wake-up-Call für dich irgendwie?
00:17:07: So ein bisschen.
00:17:08: Das ist leider so ein bisschen schade.
00:17:12: So ein Wake-up-Call hält nicht lange an.
00:17:15: Dann denke ich mir ein, zwei Wochen, ach cool, jetzt muss ich was ändern.
00:17:18: Bis es dann irgendwie wieder so einbricht.
00:17:21: Ich kann mir vorstellen, dass genau an der Stelle deine Selbsthilfegruppe super wichtig ist, oder?
00:17:26: Also wenn es darum geht, dass man Durchhalte vermögen, vielleicht noch ein bisschen... Verstärkt.
00:17:34: Ist die selbst der für Gruppe dann so eine Bank irgendwie, die sich gegenseitig dann auch stärkt?
00:17:40: Ja, das hast du eigentlich sehr gut schon zusammengefasst.
00:17:43: Es ist einfach auch so ein Ort, wo man weiß, okay, da kann ich hin.
00:17:48: Da kann ich den Leuten vielleicht erzählen, so, hey, ich hatte eine Fressattacke.
00:17:51: Und eigentlich muss man gar nicht mehr groß was dazu sagen.
00:17:53: Man muss es niemand erklären, weil jeder eigentlich weiß, wie man sich fühlt.
00:17:57: Und das finde ich immer wahnsinnig faszinierend.
00:18:01: wie ähnlich man sich auch ist, egal welches Geschlecht, egal welches Alter, egal woher man kommt, dass es aber solche Ähnlichkeiten gibt.
00:18:11: Das ist ein guter Zeitpunkt, um auf die selbsthilfe Kontaktstelle mit einem Lübeck hinzuweisen, bevor wir ausführlich über Lebensessenz sprechen werden.
00:18:20: Denn in der Beratungsstelle des Paritätischen für den Kreis Minden-Lübcke erhaltet ihr Unterstützung, wenn ihr euch für Selbsthilfe interessiert, entweder weil ihr unter einer Erkrankung leidet, aber auch, wenn ihr aufgrund einer belastenden Lebenssituation Austauschrat und Hilfe von anderen Betroffenen sucht.
00:18:38: Ihr werdet dann in bestehende Gruppen vermittelt vom Team der Selbsthilfe-Kontakt-Stelle.
00:18:43: oder sollte es passend zu eurem Thema noch keine Gruppe geben, dann wird euch hier geholfen, eine neue zu gründen.
00:18:50: Die Kontaktdaten und Adressen der Selbsthilfe-Kontaktstelle Minden-Lübecke, aber auch die für die Kreise Paderborn und Höchster sowie für Herford, findet ihr wie immer in unseren Show notes hier unter dieser Podcastfolge.
00:19:03: Eure Selbsthilfegruppe heißt ja Lebensessenz.
00:19:06: Erzähl mal so ein bisschen, was davon hast du sie gegründet oder bist du, ich sag mal, nur in Anführungsstrichen ein Teil davon, was ist so deine Rolle in der Gruppe?
00:19:15: Ja, also ich habe die Gruppe ins Leben rufen dürfen, zusammen mit dem Paritätischen.
00:19:20: Ich glaube, ich muss ein bisschen ausholen, wie das angefangen hat.
00:19:23: Ich war Anfang des Jahres in der Tagesklinik und bin da mit dem Gedanken reingegangen, boah, Gruppentherapie, boah, das wird mir ja gar nicht helfen, mir die Sorgen von anderen anzuhören.
00:19:34: Und im Endeffekt war es aber genau das, was mir geholfen hat und was ich gebraucht habe.
00:19:38: Und nach meiner Entlassung habe ich gesagt, okay, so eine Selbsthilfegruppe wäre ja vielleicht schon was Cooles.
00:19:44: Und dann habe ich mich an dem paritätischen Verein hier gewendet und nach einer Selbsthilfegruppe für Essstörungen gefragt.
00:19:53: Da hatte man mir gesagt, es gibt keine.
00:19:55: Und da war ich so ein bisschen überrascht und dachte mir, hä, aber das Thema ist doch eigentlich so populär, weil es für mich halt so nahbar ist.
00:20:02: Dann hatte ich erst noch die Gelegenheit, in zwei andere Gruppen reinzugehen, die ähnlich sind.
00:20:09: Und dann hatte ich aber ein sehr nettes Telefonat und durfte dann quasi mit der Dame zusammen diese Gruppe auf die Beine stellen.
00:20:19: Dann gab es auch ein erstes Gespräch, wo man so das Formelle, sag ich mal, besprochen hat und wie das überhaupt alles abläuft.
00:20:27: In dem ersten Telefonat habe ich auch erfahren, dass es auch die Möglichkeit gibt, für die Gruppe Flyer zu entwerfen oder entwerfen zu lassen.
00:20:36: Und da bin ich dann auch direkt kreativ geworden und habe dann auch ein Flyerentwurf zum ersten Gespräch mitgebracht.
00:20:43: Ja, sehr cool.
00:20:44: Engagiert bis zum geht nicht mehr.
00:20:46: Richtig gut vorbereitet auf jeden
00:20:48: Fall.
00:20:49: Aber lass uns noch mal kurz einen Step zurückgehen.
00:20:52: Und zwar stelle ich mir das auch wirklich mutig vor, mit so einem Thema auf eine Kontaktstelle zuzugehen.
00:20:59: Ich meine, klar, man weiß, das sind Menschen, die beschäftigen sich auch mit sensiblen Themen.
00:21:05: Und trotzdem, so mental könnte ich mir vorstellen, war es auch vielleicht so ein... Ja, ein großer Schritt für dich vielleicht auch, zu sagen, dieses Thema, das du hast ja auch gesagt, erst seit diesem Jahr nimmst du das so richtig an.
00:21:17: Das heißt, ich nehme dieses Thema, gehe dahin und spreche es an.
00:21:21: Also ich glaube, das ist eher aus der Verzweifung raus entstanden.
00:21:25: Nach der Tagsklinik ging es mir erst mal wieder gut und dann habe ich sehr schnell wieder gemerkt, wie das alles so einbricht, weil ich einfach diesen Halt nicht mehr hatte, diesen Austausch mit anderen.
00:21:36: Und deswegen habe ich irgendwann einfach gesagt, ich schaffe es einfach nicht alleine.
00:21:40: Das muss ich mir einfach selber eingestehen.
00:21:42: Und ich brauche einfach andere Leute.
00:21:45: So.
00:21:46: trotzdem, auch wenn du das irgendwie grad ein bisschen relativierst, dass du dir da auf jeden Fall selbst auf die Schulter klopfen solltest, weil sich selbst Hilfe zu holen, das hat ja auch was mit Selbstwirksamkeit zu tun, wenn man sagt so, ey, ich packe das jetzt selber an, weil es gibt sicherlich auch Menschen, die vielleicht in solchen Situationen sich doch eher wieder dann einigeln und zurückziehen und sagen, ah, das ist irgendwie grad doof und so, und du bist aber diesen Schritt gegangen, hast gesagt, nee, ich brauche Hilfe, ich hole sie mir jetzt.
00:22:16: finde ich doch auf jeden Fall schon sehr, sehr stark.
00:22:18: Das brauchst du gar nicht relativiert an der Stelle.
00:22:19: Das ist doch etwas, wo du auf die Stolz sein solltest.
00:22:23: Ich glaube, das ist auch das, wo man die Leute leider nicht abholen kann.
00:22:27: Dieser allererste Schritt, das muss von jedem selber kommen.
00:22:32: Dieses ich brauche Hilfe.
00:22:33: Mir geht es nicht gut.
00:22:35: Und dass man sich die Hilfe sucht.
00:22:37: Das finde ich sehr, sehr wichtig.
00:22:38: Und wünsche mir halt für jeden, dass jeder, der ein Problem hat.
00:22:43: Ja, jemals diesem Mut aufbringen kann, zu sagen, hey, ich ändere das jetzt, ich brauche Hilfe.
00:22:48: Ja.
00:22:49: Und da hast du bei der Selbsthilfe-Kontakt-Stelle, mit jemandem Kontakt gehabt, der dir einfach das Gefühl auch gegeben hat von, hey, du kannst hier vertrauen, du kannst dich hier auch fallen lassen mit deinem Anliegen, hast dich einfach sehr gut aufgehoben, direkt gefühlt.
00:23:05: Ja.
00:23:05: Wie groß ist denn eure Gruppe mittlerweile?
00:23:08: Also wir sind insgesamt zu fünf gerade.
00:23:12: treffen uns aktuell immer zu viert.
00:23:14: Und es ist einfach ein wahnsinniges, schönes Beisammensein.
00:23:18: Und ich bin nach jeder Sitzung, sag ich mal, wieder total überrascht, wie in ich so ein Verhältnis werden kann, obwohl man sich eigentlich gar nicht wirklich kennt.
00:23:28: Also man kennt sich viel, viel mehr, ohne sich wirklich zu kennen, sage ich jetzt mal.
00:23:33: Wie hat sich das angefühlt, als du gemerkt hast, oder ist das ... Geht hier jetzt ins Laufen so langsam, also nicht nur, ich habe das ins Leben gerufen, sondern da gibt es wirklich Menschen, die dankbar sind und auch das Angebot annehmen.
00:23:46: Ich hatte große Angst am Anfang, weil ich Sorge hatte, dass es so klischeehaft wird.
00:23:53: Alle sitzen in einem Stuhlkreis und keiner sagt was.
00:23:56: Und im Prinzip ist es komplett anders.
00:23:59: Wir wurden die ersten ein, zwei Sitzungen auch begleitet, um so ein bisschen die Gespräche auch ins Rollen zu bringen.
00:24:06: Es ist einfach ein kleingemütlichen Raum, den wir uns nach und nach wie immer gemütlicher gestalten, dass keiner redet oder so ist eigentlich nie der Fall.
00:24:16: Und ich habe auch gemerkt, ich mag es auch, Fragen zu stellen und die Leute auch zum Reden zu bringen.
00:24:23: Wie laufen eure Treffen so ab, außer dass du manchmal in die Rolle schliffst, in der ich jetzt bin, also die Fragen stellst.
00:24:32: Also wir haben so ein Ritual, dass wir am Anfang immer ein Stein und eine Feder rumgeben, um quasi zu sagen, ja, das ist gut gelaufen, das ist schlecht gelaufen.
00:24:42: Und oft werden da ja dann auch schon Themen angesprochen, die einen gerade stark belasten.
00:24:46: Und die haben auch immer Vorrang.
00:24:48: Also natürlich können wir auch mal sagen, hey, wir möchten immer über das Thema Selbstbewusstsein reden, aber ja, also aktuelle Themen haben immer Vorrang, dann ja.
00:25:00: knüpfen wir oft schon nach der Runde direkt an, wenn irgendwer grad ein Thema mitgebracht hat.
00:25:05: Und ich habe auch ein kleines Ritual mit in diese Gruppe gebracht, das am Anfang auch mit dem Stein und der Feder so eine kleine Kiste mit Murmeln rumgeht, wo sich jeder eine Murmel rausnehmen kann.
00:25:17: Und am Ende der Gruppe machen wir noch mal so eine Befindlichkeitsrunde, so was nehmen wir mit, wie geht's uns, was haben wir vielleicht noch vor, in dem Abend.
00:25:26: Und jeder kann dann diese Murmel wieder in die Kiste legen, um ... quasi so ein bisschen auch symbolisches negative, das Gesagte einfach so da zu lassen, dass man es nicht wieder mit nach Hause nimmt.
00:25:37: Das Vorurteil von vielen Menschen, die das Wort Selbsthilfegruppe hören, ist, dass man da im Stuhlkreis jetzt wie du so schön gesagt hast und sich gegenseitig irgendwie so über das Leid auslässt und dass alles so sehr negativ ist.
00:25:51: Wie ist so... die Grundstimmung, sag ich jetzt mal.
00:25:54: Also ich sag mal, erst mal ist natürlich jeder willkommen, egal in welcher Stimmung oder mit welcher Stimmung, aber oft ist es so, dass wir eigentlich immer mal lachen, so.
00:26:02: Und das finde ich auch so schön, das ist eigentlich schon sehr harmonisch ist auch, wir weinen zusammen, wir lachen zusammen, wir sind für einander da.
00:26:11: Und das ist, finde ich, wahnsinnig schön.
00:26:13: Was ist denn so der größte Benefit für euch, den ihr aus der Gruppe mitnehmt?
00:26:20: Also wie spürst du im Alltag oder auch deine, die Mitglieder deiner Gruppe?
00:26:28: Ja, eine Bereicherung quasi durch die Gruppe.
00:26:32: Also da würde ich quasi einfach mal für die Gruppenmitglieder selber sprechen.
00:26:37: Da hatten mir drei von denen etwas aufgeschrieben.
00:26:40: Das würde ich einmal vorlesen.
00:26:42: Ja, sehr gerne.
00:26:43: Also... Einer hat geschrieben, mir persönlich hat die Gruppe viel Halt gegeben.
00:26:47: Intensive Gespräche und das Gefühl nicht alleine zu sein mit der Essstörung, gibt mir Kraft daran zu arbeiten.
00:26:53: Ich wünsche mir zusammen mit der Gruppe, Wege zu finden, die Essstörung zu besiegen.
00:26:58: Die zweite Person, das Gefühl, unter Gleichgesinnten zu sein und mit seinen Problemen verstanden zu werden, ist ganz toll.
00:27:05: Das trägt zur Motivation bei, etwas zu ändern und für sich und andere etwas zu tun.
00:27:10: Dazu zu gehören, wie ich bin.
00:27:12: Ich freue mich, die Gruppe gefunden zu haben, dazu zugehören.
00:27:16: Und die dritte Person, meine Meinung, empfinden ist, dass unsere Gruppen treffen ein harmonisches, vertrauensvolles, austauschreiches und hilfreiches Beisammensein sind.
00:27:28: Egal mit welcher Laune man kommt, wird man mit Verständnis und Aufmerksamkeit empfangen.
00:27:33: Und das sind quasi Rückmeldungen, die mich selber einfach wahnsinnig berühren, weil ich es einfach schön finde, ja, dass ich ... auch für andere Leute diesen fast schon wie einen sicheren Ort schaffen durfte und der halt auch gleichzeitig für mich selber einen sicheren Ort geworden ist.
00:27:51: Und das finde ich sehr, sehr schön.
00:27:53: Absolut.
00:27:55: Wenn jetzt Zuhörende denken, okay, das klingt auf jeden Fall nach einem Safe Space, in dem ich auch gerne mal sein würde oder es zumindest mal ausprobieren möchte, gibt es denn noch Kapazität in eurer Gruppe?
00:28:06: Definitiv.
00:28:07: Unser Tisch ist groß.
00:28:09: Und ja, wir sind offen für jede Altersgruppe, für jedes Geschlecht, jede Herkunft.
00:28:14: Und ich freue mich auf neue Leute.
00:28:17: Die
00:28:17: Kontaktdaten, die findet ihr natürlich auf jeden Fall in den Shownots, wenn ihr mal an der Selbsthilfegruppe teilnehmen wollt.
00:28:26: Und ich finde es auch wirklich schön, dass es bei dir auch so einen Wandel gab von, hey, so Gruppensituation, das ist gar nichts für mich zu ... fast ein Jahr später, wow, das gibt mir so viel in meinem Alltag.
00:28:40: Das ist ja wirklich eine ganz beachtliche Veränderung auch innerhalb von relativ kurzer Zeit, dass du doch etwas gefunden hast, was dir auch so im Alltag so viel Kraft spendet.
00:28:50: Jetzt mal ganz locker gesagt, es ist so eine Win-win-Situation, weil ich generell liebe, für andere da zu sein auch, aber eben von dieser Gruppe auch selber profitiere.
00:29:01: Eben durch diese schönen Gespräche.
00:29:03: und diese Unterstützung, die man sich gegenseitig gibt.
00:29:06: Und ich glaube, das, was wir in der Gruppe auch schnell gelernt haben, ist, dass die Erststörung an sich ist die Spitze des Eisbergs und es gibt einfach noch so viel mehr.
00:29:17: der Ursprung oder das, was alles dahinter steckt.
00:29:21: Das wollen wir alle gemeinsam herausfinden und eben herausfinden, wie wir das dann ändern können.
00:29:27: Wir wollen uns selber auch ... Verbessern klingt doof, aber...
00:29:31: Da auch wirklich wieder selbst wirksam sein.
00:29:33: Ich hatte nämlich auch schon die Vermutung, dass das Binge-Eating oder die Essstörung vielleicht... ein Symptom ist von etwas.
00:29:42: Also, wie du das auch gerade schon gesagt hast, da gibt es einfach noch tiefer liegende Problematiken, vielleicht Ursachen, andere Ursachen, die eben dazu führen, dass man quasi im Essverhalten da etwas kompensiert oder da etwas verarbeitet.
00:29:57: Und gemeinsam sprecht ihr dann eben auch über solche Sachen natürlich nicht nur über das Essen, sondern auch über vielleicht die tiefer liegenden Baustellen, sage ich jetzt einfach mal.
00:30:08: Ja, also da bin ich auch sehr fasziniert, wie viel Mut andere auch aufbringen, auch sehr, sehr tief sich offen zu legen einfach.
00:30:18: Und zu sagen, hey, das und das ist mir passiert oder das und das habe ich erlebt.
00:30:23: Das sind dann so die Momente, wo es auch eher ruhiger wird in der Gruppe.
00:30:27: Aber einfach dieses tiefe Vertrauen anderen auch gegenüber, das überwältigt mich.
00:30:33: Eigentlich reden wir oft darüber, wo kommt es her?
00:30:37: So, warum?
00:30:38: Essig.
00:30:39: So viel.
00:30:40: Und das finde ich schön, dass wir es gemeinsam herausfinden wollen.
00:30:43: Vertrauen ist ja so so wichtig in Selbsthilfegruppen.
00:30:47: Wie schafft ihr es denn, dass vielleicht auch Personen, die neu dazu kommen, sich relativ schnell auch so fallen lassen können?
00:30:55: Also wo würdest du sagen, kommt dieses vertraute Gefühl zwischen euch her?
00:31:00: Wie entsteht dieses Gefühl bei euch?
00:31:04: Das ist eigentlich eine sehr gute Frage.
00:31:06: Das weiß ich gar nicht selber so.
00:31:08: Also ich mag es halt, zum Beispiel auch die Leute zu begrüßen, in Empfang zu nehmen.
00:31:12: Und jeder soll halt nur das sagen, was er sagen möchte.
00:31:16: Keiner ist gezwungen, irgendwas offen zu legen oder so.
00:31:20: Ich weiß gar nicht, wie so dieses Gefühl entsteht.
00:31:23: Dieses, hey, okay, hier kann ich mich fallen lassen.
00:31:26: Es gibt einen Gruppenteilnehmer, die hat mir geschrieben, sie weiß nicht, ob sie es schafft, dahin zu kommen.
00:31:34: Und dann war ich total begeistert, als sie am nächsten Tag direkt da war und habe mich gefreut.
00:31:39: Wir haben dir einfach direkt aufgenommen.
00:31:41: Es ist wahrscheinlich auch ein Stück weit so die Wärme, die du auch mitbringst und Offenheit, weil sowas spiegelt sich ja dann auch immer.
00:31:48: Also, wenn man selbst offen und freundlich ist, dann fällt einem das ja ganz oft viel leichter, sich so fallen zu lassen.
00:31:57: Und ich finde es auch total wichtig, dass du gesagt hast, hey, man kann auch einfach erstmal nur dabei sitzen.
00:32:02: Das ist überhaupt gar kein Problem.
00:32:03: Was würdest du denn den Leuten empfehlen, die jetzt überlegen, ist Selbsthilfegruppe?
00:32:08: Was für mich oder nicht?
00:32:10: Was würdest du dem mit auf den Weg gehen an der Stelle?
00:32:13: Tatsächlich ist es mal auszuprobieren.
00:32:16: Ich glaube, das ist so wirklich das Beste, wo man sagen kann, okay, hey, das könnte mir helfen.
00:32:20: Oder man sagt, nee, brauche ich nicht.
00:32:23: Was auch okay ist.
00:32:25: Aber ich glaube schon in den meisten Fällen, dass man dann denkt, hm, eigentlich habe ich keine Lust hier drauf, aber irgendwie hilft es mir ja doch.
00:32:33: Zum Abschluss würde mich noch nur interessieren, welcher Effekt ... aus der Selbsthilfegruppe heraus für dich im Alltag am größten gewesen ist.
00:32:42: Also wo hat die Selbsthilfegruppe in deinem alltäglichen Leben oder Denken vielleicht auch den größten Effekt gehabt bisher?
00:32:50: Sicherheit, auf jeden Fall Sicherheit.
00:32:53: Man hat nicht mehr das Gefühl, als würde man die ganze Zeit fallen, sondern als würde man jetzt irgendwo sitzen und auch quasi diesen Anfang haben.
00:33:02: Man kann jetzt endlich an sich arbeiten, weil man diese diesen Background hat.
00:33:07: Ich glaube, was mir auch sonst hilft, ist, wenn ich zum Beispiel, wenn es mir schlecht geht, wenn ich wieder eine Fresseattacke hatte, einfach zu wissen, okay, hey, nächsten Dienstag ist die Gruppe wieder und da kann ich es rauslassen.
00:33:19: Da bin ich nicht alleine, da kann ich es einfach erzählen.
00:33:24: Und ich sage an dieser Stelle danke, dass du uns das einfach erzählt hast.
00:33:28: Es ist ja wirklich auch ein total persönliches, intimes Thema, das eigene Essverhalten.
00:33:33: Und deswegen finde ich das super mutig, dass du das heute mit uns geteilt hast.
00:33:37: Vielen, vielen Dank, dass du heute als Stellvertreter deiner gesamten Gruppe zu Gast gewesen bist.
00:33:43: Chris Bartol, danke schön.
00:33:45: Danke, dass ich da sein durfte.
00:33:46: Und euch, liebe Höhenden, würde ich natürlich bitten, auch beim nächsten Mal wieder mit dabei zu sein.
00:33:54: Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr auch in unsere anderen Folgen hinein hört.
00:33:59: und noch toller würde ich es finden, wenn ihr diesen Podcast weiter empfehlt oder auch bewertet, wenn euch die Folge gefallen hat.
00:34:07: Vielen, vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
00:34:22: Tschüss!
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