Asperger (Autismus)

Shownotes

Das Selbsthilfe-Büro im Kreis Herford ist erreichbar: Mo: 10:00 -12:00 Uhr, Mi.: 12.00-15.30 Uhr und nach Vereinbarung. Telefon: (05221) 50857, E-Mail: selbsthilfe-herford@paritaet-nrw.org, Adresse: Werrestr. 100, 32049 Herford https://www.paritaetischer-herford.de/selbsthilfe-buero/ueberblick

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00:00:04: Selbsthilfe hat Stimme, der Podcast, unterstützt von der AOK Nordwest.

00:00:11: Fachverbände gehen davon aus, dass lediglich etwa ein Prozent der deutschen Bevölkerung von Autismus betroffen sind.

00:00:19: Wir sprechen heute also über eine wirklich seltene Diagnose und darum finde ich es ganz besonders spannend mit meinem Gast Oliver Braun in sein Alltag einzutauchen und zu erfahren, welche Relevanz seine Selbsthilfegruppe in Herford für ihn hat.

00:00:34: Und damit herzlich willkommen zu dieser Ausgabe.

00:00:37: Selbsthilfe hat Stimme.

00:00:39: Und schön, dass du da bist, Oliver.

00:00:41: Hallo.

00:00:41: Menschen mit der Autismus-Spektrum-Störung nehmen ihre Umwelt oft ganz anders wahr als andere.

00:00:48: Sie haben häufig normale oder ... überdurchschnittliche, sprachliche und intellektuelle Fähigkeiten erleben aber soziale Interaktionen, Kommunikation und Alltagssituationen auf eine besondere Weise, die für sie und ihre Umfeld herausfordernd sein kann.

00:01:06: Darüber spreche ich jetzt mit dir, Oliver.

00:01:08: Lass uns mal ganz am Anfang starten.

00:01:12: Wann hast du denn zum ersten Mal bemerkt, dass du anders wahrnimmst als andere Menschen?

00:01:19: bemerkt ist immer so ein Wort, das schwierig rückblickend zu betrachten ist, weil als Kind ist man einfach.

00:01:28: Als Kind da gibt es nebst vielen neuen Sachen, sehr viele Schienen, auf denen das Leben verläuft.

00:01:37: Bei mir war es so, dass ich mich an den Schienen erfreut hatte und irgendwann, wo ich etwas älter wurde, dann merkte, dass gewisse Sachen nicht so einfach sind wie andere, dass ich für manche Sachen möglicherweise weniger den Sinn hatte als meine Freunde.

00:02:01: Irgendwann bin ich dann auf den alten Begriff noch Asperger, Autismus gestoßen und habe mich da ein bisschen schlau gemacht und gedacht, ach so, okay, so was gibt es, das ist ja wahnsinnig interessant.

00:02:15: mit anderen mich darüber unterhalten und die meinten, ach nee, das hast du doch gar nicht, du passt so gut in die Welt.

00:02:21: Und dann habe ich gedacht, okay, da gut, dann kann man sich ja sagen lassen, dass man ein sehr passender Mensch ist und so wirklich losgelassen hat mich das aber nicht.

00:02:33: Und zwar war das so, dass in den dunkleren Stunden wenn Sachen nicht klappen, wenn man auf einmal völlig fertig ist und man weiß nicht, warum, dann war das immer so eine Art Trost so, vielleicht habe ich ja eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, damals kannte ich den Begriff noch nicht, aber irgendwas könnte ja sein.

00:02:55: und na gut, in den besseren Momenten, wo es dann alles geklappt hat, dann war das auch wieder weg.

00:03:00: und so über die Jahre, bis ich zwanzig war, war das ein Auf und Ab und manchmal ging es besser, manchmal ging es schlechter und Irgendwann war es mir dann zu viel.

00:03:13: und dann habe ich ein großes Manifest, das ist ein bisschen hart gesagt, aber einen großen Text an Diagnosestellen, die ich ausgesucht hatte, gesendet.

00:03:23: Und die Reise ging dann mit einer langen Warteliste und man erzählt sich heutzutage, sind die Wartelisten bedeutend länger.

00:03:33: Aber nach ca.

00:03:34: anderthalb Jahren hatte ich dann von der Klinik den Anruf, ob ich noch interessiert sei.

00:03:41: Das bejahte ich dann entusiastisch und innerhalb von ein paar Terminen habe ich dann noch die alte Aspergerdiagnose.

00:03:50: Heutzutage würde man das auf der sanfteren Seite des Spektrums einordnen, die Autismusdiagnose dann bekommen.

00:03:59: Ab da konnte ich dann mit etwas mehr innerer Rechtfertigung auf mich schauen.

00:04:05: Das hat viel durcheinander geworfen, weil ich auf einmal Bedürfnisse, die ich hatte, benennen, einordnen und auch priorisieren konnte.

00:04:17: Das ist natürlich schwierig, wenn man bisher komplett in einem Großraumbüro gearbeitet hat, komplett sich viel bemüht hat, bei allen interessanten sozialen Sachen dabei zu sein.

00:04:32: und immer festen Augenkontakt zu haben, wie es gelernt gepflegt hat und das alles auf einmal neu einzuordnen.

00:04:44: Dann kam eine sehr schwierige Zeit, wo ich auch von der Arbeit eine Pause gemacht habe und währenddessen auch Selbsthilfegruppen entdeckt habe und mir empfehlen lassen habe.

00:04:57: Das Ende vom Lied ist, dass ich gerade an der Arbeitsfront sehr, sehr radikale und auch aufbrechende Änderungen durchgemacht habe.

00:05:09: Ich

00:05:09: empfinde das jetzt so, wenn ich das höre, als hättest du vorher auch so ein bisschen entgegen deiner eigentlichen Anlagen.

00:05:17: gehandelt, gearbeitet.

00:05:19: Du hast es beschrieben, dass der soziale Kontakt, der so anerzogen ist quasi für dich ja wahrscheinlich schon auch Stress ausgelöst hat.

00:05:28: Wie zum Beispiel ständig Augenkontakt halten.

00:05:29: Das war jetzt dein Beispiel.

00:05:31: Und da kann ich mir das eben sehr gut vorstellen, dass das für dich auch eine Befreiung gewesen ist, die Diagnose zu bekommen, also wirklich positiv.

00:05:41: Oder gab es auch einen Moment, wo du mit der Diagnose gehadert hast oder wo es vielleicht auch, ja, da man es dann schwarz auf weiß hatte, vielleicht auch ein bisschen eine Unsicherheit ausgelöst hat.

00:05:53: Es ist so, dass ich mir diese ganzen Dinge, dieses Verhalten und das Gebaren eines ordentlichen Menschen, das habe ich ja mit absolut gutem Gewissen gemacht und meine wichtige Ressource, Energie dafür eingesetzt.

00:06:17: Und gerade das ist halt diese schöne Widersinnigkeit, dass ich ja entgegen meiner Natur gehandelt habe, aber mit absolut gutem Gewissen und mit empfundenem Recht.

00:06:33: Das muss so, das ist richtig so und ich gebe alles, weil Warum sollte ich neunzig Prozent geben, wenn ich nicht auch hundert Prozent jeden Tag geben kann?

00:06:44: Wo es dann weniger Regeln und Regelmäßigkeiten gibt, ist dann zu Hause.

00:06:52: Da war dann nicht mehr so viel Energie übrig.

00:06:55: Und dann bekommen die Eltern kaum ein Lächeln oder irgendwas, weil ich halt meine Schuldigkeit auf Arbeit getan habe.

00:07:05: oder in der Schule damals und dann verziehe ich mich halt in meinen Raum und versuche irgendwie, ohne zu wissen, was mir genau fehlt.

00:07:14: Jetzt weiß ich, dass esbare Energie ist.

00:07:18: Das ist jetzt die Aufgabe, dass ich sehr viel abwege und sehr viel unterschiedliche Ansätze ausprobiere, was gut klappt, wo gibt es Umgebungen, wo ich ... vielleicht nicht unbedingt Augenkontakt halten muss, noch schlimmer.

00:07:37: Manchmal mache ich einfach die Augen zu, weil dann ist ein kompletter Sinn abgeschirmt.

00:07:42: Und ich kann mich nur noch konzentrieren auf alle anderen Sinne, was geredet wird.

00:07:48: oder möglicherweise ist, dass das Denken auch ein eigener Sinn, aber das ist jetzt eine ganz neue Theorie.

00:08:00: Ja, das passt total gut zu meiner nächsten Frage.

00:08:05: Da hätte ich nämlich genau dieses Beispiel unserer gemeinsamen Vorbereitung auch nochmal aufgegriffen.

00:08:12: Und zwar hat es schon einen Unterschied gemacht zu den anderen Folgen und den anderen GesprächspartnerInnen, die ich hatte.

00:08:19: Da wir zwei vorher ja wirklich nochmal ausgiebig telefoniert haben und wir besprochen haben, wo genau wir uns treffen, wie die Umgebung aussehen wird, wir haben sogar besprochen, was für ein Aufnahmegerät wir haben werden.

00:08:32: Das fand ich schon sehr besonders und das fand ich spannend, weil ich da gemerkt habe, okay, es ist super, super wichtig, für dich genau zu wissen, was auf dich zukommt.

00:08:42: Und ich habe versucht und es hat ja anscheinend auch geklappt, du sagst, es geht dir heute gut, das freut mich, das soll ja auch genau so sein.

00:08:50: Genau darauf, würde ich jetzt auch gerade zu sprechen kommen.

00:08:52: Du hast nämlich so einen Button und da ist quasi die Social Battery so ein bisschen drauf.

00:08:57: Ich kenne das als Button, der die Social Battery angibt.

00:09:02: Da kann man einen kleinen Regler schieben und der steht bei dir heute im grünen Bereich.

00:09:05: Das bedeutet, es geht dir gut und du hast genug Energie auf jeden Fall da und das finde ich sehr, sehr schön.

00:09:13: Hast du ansonsten noch irgendwelche Routinen für dich, Maßnahmen im Alltag, die es dir leichter machen, mit Autismus durch den Alltag zu kommen, also außer vorbereitet zu sein, wenig Spontanität zuzulassen?

00:09:29: Ich hätte tatsächlich auch gesagt, dass es gerade Vorbereitung ist, aber Vorbereitung kann ja so wie wir das gemacht haben so aussehen, dass wir uns sehr genau besprechen und je mehr Rahmen ich habe, desto freier kann ich sein.

00:09:48: Wenn man genau sagt hier Leitplanke, da Leitplanke, da ist die Decke, dann fühle ich mich pudelwohl und weiß, wie ich mich bewegen kann.

00:10:00: Gerade der Button ist sogar etwas, was ich ziemlich früh einmal geschenkt bekommen habe.

00:10:08: Das ist die Versicherung, dass ich mich mit mir selber auseinandersetze.

00:10:15: Weil das ist etwas, was vor der Diagnose sehr gefehlt hatte, dass ich mir selber nie erlaubt habe, darüber nachzudenken, oh, geht es mir heute besser oder schlechter?

00:10:27: Und mit der Skala, die ich an mir trage, zeige ich nach außen hin, hey, was können Menschen erwarten in diesem Moment?

00:10:34: Und dadurch, dass andere das sehen, stelle ich es auch selber immer ein und sage, okay, ich fühle mich so und so.

00:10:40: Und das hilft ungemein, sich selber zu hinterfragen und auch... Wenn ich jetzt mit den Neffen und der Nichte zu tun habe am Sonntagmittag-Tisch oder ähnliches und dann merke, wow, das wird zu viel, dann ist es eine Methode, die sehr viel weniger Worte braucht, einfach zu sagen, hey, ich bin jetzt schon im gelben Orangenbereich.

00:11:06: Dann ist sehr viel schneller das Verständnis, als wenn man sagen muss, jetzt bitte nicht so viel und ich muss mich hinlegen, gehen oder irgendwie so.

00:11:15: Ich habe viele Sachen herausgefunden, die als Vorbereitung sehr, sehr gut sind und sich, wo man ähnlich wie in einem Computerspiel dann mit nützlichen Dingen im Inventar herumläuft und weiß okay, egal was jetzt aus dem Busch springt.

00:11:34: Ich kann damit klarkommen.

00:11:35: Und ob es irgendetwas Fremdes ist, wie Geräuscheinwirkungen, Gehörschutz rein.

00:11:41: Dazu gehört natürlich auch, das erst mal zu erkennen und diese Gedanken zu haben.

00:11:46: Und das ist ein großes, großes Geschenk, was ich habe, dass ich eben Kreativität ausleben kann und auch reflektieren.

00:12:00: Und das ist auch etwas, was Ich sehr, sehr gerne nutze, um zu informieren, um da auch mitzudenken und vielleicht sogar Lösungen zu finden in Selbsthilfegruppen.

00:12:15: Das

00:12:15: ist wirklich, als hätten wir uns abgesprochen, Oliver, du hast mir wieder eine super Überleitung hingelegt.

00:12:21: Vielen, vielen Dank schon mal dafür.

00:12:23: Denn es soll nämlich jetzt um deine Selbsthilfegruppe gehen, die sich in hervortrifft.

00:12:30: Und mich würde als erstes mal interessieren, wie du zu dieser Gruppe gestoßen bist, wie bist du aufmerksam auf sie geworden, bevor es jetzt zu viele Fragen wären, vielleicht aber erst mal vorab.

00:12:44: Warum überhaupt?

00:12:46: Warum hast du irgendwann gedacht, selbst der Gruppe, das wär was für mich?

00:12:50: Anfang war das so, dass ich in psychologischer Behandlung war bei einer Ärztin, die sich nicht so sehr viel auskannte, auch laut ihrer Aussage.

00:13:01: Und die hatte gesagt, ich hab gehört von einem anderen Kind, der erkennt eine Selbsthilfegruppe.

00:13:07: Das waren noch nicht die in Herford, sondern eine andere, wo sich Eltern und Betroffene treffen.

00:13:15: Und das war so der erste Kontakt, den ich da hatte.

00:13:20: Bei der Selbsthilfegruppe in Herford ist es sehr, sehr besonders, weil der betroffenen Anteil da absolut hoch ist.

00:13:28: Das Schöne an einer Selbsthilfegruppe ist, dass dort eine Umgebung, ein Umfeld herrscht, wo und das schockt auf angenehme Weise, wobei den Geschichten, die man erzählt, wie man den Alltag erfährt, was man für Probleme hat.

00:13:48: wo darauf einmal einstimmig genickt wird.

00:13:52: Und das macht den Unterschied zu dem Erleben der Welt, wo Maßstäbe gelten, wo bestimmte Normen herrschen, auch wenn man das nicht ausspricht, wo viel zu selten, aber doch nach Knigge gehandelt werden möchte.

00:14:16: und Da fühlt man sich oft und das auch ein heftiges Thema dieses Lebensgefühl des Außenseitertums.

00:14:31: Kann man mit klarkommen, ist aber komisch, wenn man irgendwie immer der Außenseiter ist und irgendwie mehr Differenzen als Gemeinsamkeiten mit Menschen hat und Es gibt viel und auch langjährige Freunde, die ich haben darf, wo das eben komplett in Ordnung ist und wo man akzeptiert wird und vielleicht sogar gefeiert, im besten Fall.

00:15:04: Aber generell in der Gesellschaft ist es oft ein Gefühl von, ich bin anders.

00:15:10: Und in einer Selbsthilfegruppe, wo eben die Gemeinsamkeit zwischen den Leuten, das gemeinsame Empfinden der Welt ist, auch wenn das von Ortist zu Ortist zu Ortistin zu Ortistin anders sich ausprägt und immer individuell ist, ist das sehr, sehr angenehm.

00:15:31: Das hier ist ein guter Punkt, um einen speziellen Hinweis zu geben, denn das Selbsthilfebüro im Kreis Herford ist eine Beratungsstelle für den Kreis Herford, wo an selbsthilfeinteressierte Menschen beraten werden, die aufgrund einer

00:15:46: Erkrankung,

00:15:47: Behinderung, Sucht oder einer schwierigen Lebenslage die Hilfe und den Rat von anderen Betroffenen suchen.

00:15:53: Solltet ihr mit eurem Anliegen anonym bleiben wollen, ist das überhaupt gar kein Problem.

00:15:57: Alle Anfragen werden vertraulich bearbeitet.

00:16:01: Das Team des Selbsthilfebüros vermittelt euch den Kontakt zu bestehenden Gruppen, bietet euch aber auch Unterstützung bei der Gründung von neuen Gruppen, macht außerdem Werbung für die Selbsthilfe und agiert als Kooperationspartner im Sozial- und Gesundheitswesen.

00:16:15: Allein im Kreis Herwort gibt es rund hundertdreißig Selbsthilfegruppen mit Themen von A wie Angst bis Z wie Zoliaki, wo und wie genau ihr das Selbsthilfebüro im Kreis Herwort erreichen könnt, aber auch die Kontaktstellen der Kreise Paderborn, Höxter und Mindenlübcke.

00:16:34: Das könnt ihr in unseren Show Notes nachlesen.

00:16:37: Und jetzt geht es weiter mit dir, Oliver.

00:16:41: Und zwar würde ich gerne noch einmal auf Diese Gruppensituation kommen, wie verlaufen denn so die Treffen?

00:16:49: Ich kann mir vorstellen, dass es vielleicht nicht so ist, dass ihr euch einfach zusammensetzt und gar nicht wisst, was an dem Tag bei dem Treffen passiert.

00:16:57: Oder es ist tatsächlich so, dass ihr euch gegenseitig so viel Sicherheit und Verständnis mitbringt, dass ihr vielleicht auch mal unvorbereitet in so einen Treffen geht.

00:17:06: Das wäre ja ganz verrückt.

00:17:08: Es gibt tatsächlich keinen wirklichen Plan, weil ... bis auf die Momente, wo man sagt, hey, wir sollten über das sprechen oder vielleicht was organisatorisches.

00:17:19: Ist es so, dass der Rahmen genug ist, dass wir wissen, wir treffen uns und wir können unsere Themen ansprechen.

00:17:28: Der Grund, warum wir da zusammensitzen, nämlich weil es um Autismus gehen soll, weil es um Alltagsthemen.

00:17:37: Es sei denn, man hat vorher noch irgendwas Bestimmtes, Organisatorisches oder irgendein Wunschthema angebracht, dass es halt ein Rahmen ist, wo wir nicht wirklich eine Agenda dann aufsetzen, sondern wo es locker zugeht, wo man sich auch manchmal verquatscht und auf einmal geht es die ganze Zeit nur um Brillen und verdunkelte Brillen und Brillengleserfarbe.

00:18:07: Irgendwann haben wir einige Minuten über Klopapier gesprochen.

00:18:12: Und all solche Sachen sind halt etwas, was frei und in Sicherheit sonst selten.

00:18:24: Da eigentlich ist das schade, dass dich alle Welt einfach darüber redet, welche Haptik, Optik und Eigenheiten Klopapier hat.

00:18:32: Aber na gut.

00:18:36: Doofes Beispiel, aber im Grunde ist es, dass der Rahmen sicher genug ist, dass es eben um allerlei Themen gehen kann.

00:18:46: Eine der größten Freuden ist, dass die Lichtsituation in dem üblichen Raum, dass sie einmal angepasst wurde, also Infrastruktur des Raumes, und dann können wir nur noch in dem halben Raum das Licht anmachen.

00:19:01: Das heißt, wir haben es ein wenig schummrig.

00:19:04: Da es ist im Grunde wie in einem Sparplan für ein profitables Unternehmen, kann man auch als Betroffener von Autismus sehr, sehr gut darauf achten, wo man Energie einsparen kann.

00:19:23: Wenn man das jetzt als Beispiel nimmt, ist eine Selbsthilfegruppe doch ein sehr, sehr effizientes Unterfangen.

00:19:29: Man muss sich nicht so verstecken.

00:19:31: Viele autismusbetroffene erleben ja soziale Situation als eher herausfordernd.

00:19:37: Jetzt höre ich gerade, dass die Gruppe euch doch sehr viel Sicherheit gibt.

00:19:42: Denkst du, dass eine Selbsthilfegruppe soziale Kontakte für Betroffene angenehmer macht?

00:19:50: Ja, würde ich sagen.

00:19:52: Den regelmäßigen Fall gibt es immer, dass sich die Mitglieder dann auch herausziehen und sagen, hey, heute habe ich keine Energie mehr dafür oder ich setze einfach mal aus und nehme mir Zeit für mich.

00:20:08: Aber es ist schon so, dass die soziale Interaktion da durchaus dazu führen kann, dass sich auch Freundschaften bilden, weil es nicht garantiert ist, dass jeder Mensch dann auch sehr ähnliche Art hat.

00:20:26: Ich hab mal den Satz gehört.

00:20:29: Kennst du einen Autismus-Betroffenen?

00:20:32: Kennst du einen Autismus-Betroffenen?

00:20:35: Weil es einfach so viele unterschiedliche Symptome gibt, sag ich jetzt mal, Verhaltensweisen, wie man mit der Welt und mit sich umgeht.

00:20:45: Und deswegen finde ich, ist das eigentlich ein ganz gutes Beispiel gewesen.

00:20:51: Alle Autismus-Betroffenen können halt miteinander, so wie Nicht-Betroffene, ja auch nicht mit jedem können.

00:20:58: Und deswegen ist es ja klar, dass ihr außerhalb der Gruppe jetzt nicht unbedingt euch mit jedem zum Kaffee trinken verabreden wollt.

00:21:05: Kennste einen?

00:21:05: Kennste einen?

00:21:06: Es ist ein beruhigender Satz, auch ein bisschen frustrierend, weil ich will immer irgendwie einen roten Faden und Lösungen finden, aber das lässt sich gerade im Thema Menschen und auch im Thema betroffenen Menschen schwierig machen natürlich.

00:21:22: Und deswegen ist es auch immer furchtbar interessant, welcher Input da kommt und welche Geschichte vielleicht einen selber auch berührt.

00:21:34: Gerade das ist es auch, was die Umgebung ausmacht, dass sich ein Mensch, der eine besondere Position seinem Gehirn hat, dass der sich mit anderen Menschen, die vielleicht das Gleiche haben, aber in einem unterschiedlichen Umfeld aufgewachsen sind, das auf einmal ganz ganz ganz ganz anders wird.

00:22:01: Das ist auch zum Thema aufwachsen, auch zum Thema, naja, Heilung ist zu viel, aber Hilfe oder Abhilfe ist gerade dieses, der Grund, warum man so geworden ist, wie man ist, ist auf das Umfeld.

00:22:17: Das kann auch ein Arbeitsumfeld sein zu gewissem Maße, aber hauptsächlich, wie man aufgewachsen ist, wie man sich weiterentwickelt.

00:22:25: Da gibt es sehr, sehr verschiedene Wege, die Menschen, einschlagen können, die ähnlich sind und sich dann auf diesen verschiedenen Faden wiederzufinden und auch aufeinander zu treffen und zu sagen, hey, wir sind so unterschiedlich wie unsere Leben sind, so ähnlich sind wir, das tut gut.

00:22:46: Und dafür sind Selbsthilfegruppen ein sehr, sehr schöner Ort, nicht nur für Problemchen oder Probleme oder Notlagen, sondern auch für Augenhöhe.

00:23:01: Klingt auf jeden Fall auch ein bisschen danach, als würden die Treffen dafür sorgen, dass auch das Selbstbewusstsein, nicht nur das Selbstverständnis auch gestärkt wird.

00:23:12: Das ist dann ja auch ein Benefit, den man aus der Selbsthilfegruppe raus mitnehmen kann in die Welt da draußen, sag ich jetzt mal, außerhalb der Selbsthilfegruppe.

00:23:25: Meine für heute vorletzte Frage an dich.

00:23:28: Was sind so Wirkungen, die du mit aus der Gruppe herausnimmst in dein Alltag?

00:23:34: Für mich persönlich ist es Mut, ist es Bestätigung, ist es Bekräftigung, dass so wie ich bin, dass das in keinem Fall falsch ist, dass das in keinem Fall so außergewöhnlich ist, dass ich nicht alleine bin.

00:23:57: dass es andere gibt, dass es vielleicht auch Menschen gibt, die durch den Geschichten, also dass es Menschen gibt, deren Geschichten einen vielleicht auch dankbarer machen, dass man für gewisse Sachen schon eine Lösung gefunden hat.

00:24:12: Und ich selber bin mit der Gabe der Reflexion und auch vielen glücklichen Umständen gesegnet, dass ich auch viel geben darf an wilden Ideen, die manchmal sehr angebracht sein können, manchmal auch völlig verquer, aber das ist auch okay.

00:24:35: Und dass ein wenig dieses Thema Selbsthilfe in beide Richtungen erlebt wird, weil jeder hat mal eine Sache, wo er Hilfe braucht und jeder hat mal eine Sache, wo man geben kann.

00:24:54: Und wo man hilft.

00:24:55: Und ich glaube, das ist die schönste Sache, dass das jedes Mal, wenn man dahin kommt, das Beides passieren kann.

00:25:02: Das hört sich ja schon an wie so eine Einladung.

00:25:05: Und das ist dann tatsächlich auch meine letzte Frage für heute.

00:25:08: Was würdest du denn?

00:25:10: Autismus Betroffenen oder Kurbetroffenen oder interessierten Raten, wenn sie jetzt überlegen, ist das was für mich, ist das nichts für mich, soll ich mich wagen, in die Selbsthilfegruppe hervor zu begeben oder nicht, oder generell in eine Selbsthilfegruppe mal ganz von Autismus ab.

00:25:29: Was würdest du denen mitgeben?

00:25:32: Mit der Aussage, kann nicht schaden, sage ich, keine Angst.

00:25:40: Die Gruppen sind sehr offen und sehr einladend und der Grundsatz gefällt dir.

00:25:48: Komm wieder.

00:25:49: Ist nix für dich.

00:25:50: Alles gut.

00:25:52: Das lädt dazu ein, es gerne auszuprobieren.

00:25:56: Kontakt zu suchen.

00:25:57: Da gibt es, was du erwähntest, das Selbsthilfebüro.

00:26:01: Da gibt es eine Anlaufstelle, wo sich jeder zu jedem Thema, aber auch zu Autismus.

00:26:08: dann dahin wenden kann.

00:26:09: Es gibt online auch Orte, wo Gruppen gelistet sind.

00:26:14: Und gerade beim Thema Selbsthilfe im Autismusbereich ist es möglicherweise besser, wenn mehr Vorplanung als Spontanität an den Tag gelegt wird.

00:26:28: Dann ist das eine sehr, sehr sanfte und angenehme Sache.

00:26:34: Oliver, vielen, vielen Dank, dass du uns heute einen wirklich ganz spannenden Einblick gegeben hast in dein Alltag und natürlich auch in eure Treffen.

00:26:46: Jetzt würde ich dich gerne, obwohl ich gesagt habe, es gibt letzte Frage, jetzt habe ich eine spontane Frage.

00:26:52: Und ich weiß ja, das magst du besonders gerne.

00:26:55: Nee, ich wollte dich fragen, wir haben jetzt am Anfang gesagt.

00:26:58: Der Regler ist im grünen Bereich.

00:27:00: Wie ist das jetzt so nach unserem Gespräch?

00:27:02: Wir haben sehr viel geredet jetzt, wir haben uns sehr viel ausgetauscht.

00:27:06: Wo würdest du jetzt den Regler hinschieben?

00:27:10: Ganz ehrlich gesagt würde ich den Regler kaum verschieben.

00:27:19: Geht aber mit zwei gegensätzlichen Energieschüben einher, weil Während wir geredet haben und die Absprache bzw.

00:27:29: die Vorbesprechung sagt er auch, man muss kein Skript sein oder ähnliches.

00:27:34: Also in meinem Kopf hat es wirklich viel gerattert, gerade so, wenn Fragen zu Selbsthilfegruppe und in meinem Kopf reise ich dann dahin und erlebe auch noch welche Sachen.

00:27:46: gibt es natürlich manche, die intensiver sind und manche Sachen, ah, da war was und so.

00:27:53: Das zieht etwas Energie.

00:27:55: Aber die Erleichterung beziehungsweise die Aussicht auf eine Rückfahrt mit Sonne und Musik, die gibt dann auch noch etwas von der Energie wieder her.

00:28:11: Von daher, also der Energieregler, den könnte eine autistische Person, wenn es in Echtzeit passieren würde, dauernd hin und her schieben.

00:28:24: Und zwar vielleicht auch bis zum Anschlag hier, bis zum Anschlag da, weil das Autismus ausmacht, dass unendlich Gefühle und unendlich intensive Gefühle auf einen einprasseln, entstehen und hin und her schwimmen, nur was... Eine Eigenschaft von autistischen Personen ist, dass Bauen von Dämmen, Mauern, manchmal sogar Türen selten nach Fenster gebaut wird, um diesen Gefühlen Einhalt zu gebieten.

00:28:58: Dadurch entstehen dann auch Menschen, die sehr, sehr abgeschottet und still und reserviert wirken, weil diese Mauern ebenso hoch sind.

00:29:08: durch das Leben, ist nicht bei jedem so.

00:29:12: Manchmal kann man auch in Situationen sein, wo man sehr, sehr viel Gefühle zulässt, wo sehr, sehr viel Fenster ist, wo es vielleicht sogar wie eine bunte Kathedrale in einem aussieht.

00:29:22: Und das hat auch ein wenig damit zu tun, wie man seine eigene Energie sieht.

00:29:29: Manchmal kann es sein, dass der Regler irgendwo stehen bleibt, weil nicht genügend von der anderen Seite da ist.

00:29:38: Es kann sich sehr viel ändern und mit Veränderung klarzukommen, das ist eine Lebensaufgabe.

00:29:46: Oliver, vielen, vielen Dank.

00:29:47: Ich kann dir sagen, wenn ich jetzt auch so einen Button hätte wie du, wäre mein Reklar auch im grünen Bereich, weil ich mich superwohl mit dir gefühlt habe und ich den Austausch extrem wertgeschätzt habe.

00:29:59: Vielen, vielen Dank, dass du hier gewesen bist.

00:30:02: Und euch, lieben Zuhörerinnen und Zuhörern, empfehle ich auf jeden Fall in... noch ein, zwei oder mehrere unserer anderen Episoden reinzuhören.

00:30:14: Und lasst doch auch gerne ein paar Sterne da.

00:30:16: Wenn ihr schon mal rein hört, dann klickt doch gerne mal auf die Bewertungen drauf.

00:30:22: Oder empfehlt eine Folge auch gerne mal weiter.

00:30:26: Vielen Dank fürs Zuhören

00:30:27: und

00:30:28: bis zum nächsten Mal.

00:30:29: Tschüss!

00:30:34: Das war Selbsthilfe.

00:30:35: hat Stimme der Podcast.

00:30:37: Unterstützt von der AOK Nordwest.

00:30:39: Weitere Informationen findest du in den Shownotes.

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